Politik & Gesellschaft

Attal und Mélenchon streiten über die Zukunft von Parcoursup

Gabriel Attal will die französische Zulassungsplattform Parcoursup reformieren, Jean-Luc Mélenchon fordert ihre Abschaffung. Der Streit greift die jüngsten Schülerproteste auf und markiert einen bildungspolitischen Gegensatz im Präsidentschaftswahlkampf.

Lyon – 11.10.2026: Gabriel Attal und Jean-Luc Mélenchon haben die Proteste französischer Schülerinnen und Schüler zum Gegenstand ihres Präsidentschaftswahlkampfs gemacht. Bei einer Kundgebung in Lyon stellte Attal am Samstag, 10. Oktober, einen Jugendpakt vor. Mélenchon bekräftigte im Département Puy-de-Dôme seine Forderung, die Studienzulassungsplattform Parcoursup abzuschaffen. Hinter dem Duell stehen gegensätzliche Vorstellungen davon, wie Frankreich den Zugang zu seinen Hochschulen organisieren soll.

Attal, Präsidentschaftskandidat der Partei Renaissance, wendet sich gegen eine ersatzlose Abschaffung der Plattform. Damit würden die Sorgen junger Menschen nicht automatisch verschwinden, argumentierte er. Mélenchons Konzept laufe auf eine Auswahl durch Misserfolg hinaus. Attal will das bestehende Verfahren stattdessen verändern: Die fortlaufende Leistungsbewertung während der Schulzeit soll bei Bewerbungen weniger Gewicht erhalten, die Ergebnisse der Abschlussprüfungen sollen stärker zählen.

Zudem kündigte Attal einen verbindlicheren Weg der Berufs- und Studienorientierung an. Vorgesehen sind persönliche Beratung, Mentorenprogramme, Tutorien und Praktika. Seine Linie zielt somit auf einen Umbau der vorhandenen Zulassungsarchitektur, nicht auf deren Abschaffung. Politisch ist das Thema für ihn besonders heikel: Als Abgeordneter war der spätere Bildungsminister 2018 Berichterstatter für das Gesetz, mit dem Parcoursup eingeführt wurde. Seine Gegner können ihn deshalb unmittelbar für die Plattform mitverantwortlich machen.

Mélenchon bezeichnet Parcoursup dagegen als eine zentrale Quelle der Verunsicherung unter Schülerinnen und Schülern. Das Verfahren wird seit Jahren kritisiert, weil viele Bewerber die Auswahlkriterien einzelner Hochschulen als undurchsichtig erleben und teils lange auf eine Entscheidung warten. La France insoumise verbindet die Forderung nach einer Abschaffung mit dem Ausbau der Studienplätze. Aus Sicht der Partei setzt ein offenerer Hochschulzugang zusätzliche Kapazitäten voraus; andernfalls würde der Mangel lediglich auf andere Weise verwaltet.

Der Konflikt fällt in eine Phase von Schülerprotesten, die weit über Parcoursup hinausreichen. Die Demonstrierenden wenden sich auch gegen schlechte Lernbedingungen, Lehrermangel und unsichere Bildungswege. Mélenchon sagte am Samstag, die Bewegung habe in den Vorstädten begonnen und sich von Schulen auf Hochschulen ausgeweitet. Zugleich rief er dazu auf, Gewalt zu vermeiden und bei den Mobilisierungen jedes Todesopfer zu verhindern.

Damit wird Bildung zu einer frühen Trennlinie des Wahlkampfs. Attal versucht, die Kritik an Prüfungsdruck und mangelnder Orientierung aufzunehmen, ohne das Prinzip eines gesteuerten Hochschulzugangs aufzugeben. Mélenchon macht Parcoursup dagegen zum Sinnbild eines Systems, das knappe Studienplätze verteilt, statt ausreichende Kapazitäten zu schaffen. Die aktuellen Proteste verschaffen diesem seit Jahren geführten Streit neue politische Dringlichkeit.

Quellen

  • Franceinfo
  • Agence France-Presse via Boursorama
  • Le Parisien

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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