São Paulo – 25.07.2026: Brasiliens Liberale Partei hat Senator Flavio Bolsonaro am Samstag auf ihrem nationalen Parteitag in São Paulo offiziell zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl bestimmt. Der 45-jährige Sohn des früheren Staatschefs Jair Bolsonaro soll die rechte Opposition im ersten Wahlgang am 4. Oktober 2026 gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva anführen. Eine mögliche Stichwahl ist für den 25. Oktober vorgesehen.
Mit der Nominierung geht der politische Führungsanspruch der Familie Bolsonaro auf deren ältesten Sohn über. Jair Bolsonaro kann selbst nicht antreten. Der Oberste Gerichtshof verurteilte den Ex-Präsidenten wegen mehrerer Delikte im Zusammenhang mit dem Versuch, die demokratische Ordnung gewaltsam zu beseitigen und einen Staatsstreich zu begehen. Nach Angaben des Gerichts steht er aus humanitären Gründen unter Hausarrest.
Flavio Bolsonaro vertritt den Bundesstaat Rio de Janeiro im Senat und hatte seine Kandidatur bereits Ende 2025 angekündigt. Die parteiinterne Bestätigung schafft nun die formelle Grundlage für den Wahlkampf. Dass der Parteitag in São Paulo stattfand, war politisch folgerichtig: Der bevölkerungsreichste Bundesstaat Brasiliens verfügt über das größte Wählerpotenzial und besitzt erhebliches Gewicht bei der Finanzierung von Kampagnen und beim Aufbau politischer Bündnisse.
Die Veranstaltung ließ allerdings erkennen, wie schmal die derzeitige Allianz des Kandidaten ist. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP kamen rund 500 Anhänger; einflussreiche Vertreter der politischen Mitte blieben fern. Flavio Bolsonaro hat zudem noch keinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten benannt. Der Liberalen Partei fehlt damit vorerst ein Bündnis, das deutlich über das eigene politische Lager hinausreicht.
Auch Michelle Bolsonaro, Ehefrau des Ex-Präsidenten und eine einflussreiche Stimme unter evangelikalen Wählern, erschien nicht persönlich. Sie wandte sich per Video an den Parteitag und erwähnte den nominierten Kandidaten nur kurz. Ihr Fernbleiben folgt auf öffentlich ausgetragene Spannungen mit Flavio Bolsonaro und lässt unterschiedliche Interessen im politischen Umfeld der Familie erkennen.
In seiner Rede stellte Flavio Bolsonaro die Wahl als Kampf gegen eine angebliche politische Verfolgung seiner Familie dar und griff den Obersten Gerichtshof an. Zuletzt hatte er zudem Zweifel an der Verlässlichkeit elektronischer Wahlurnen wiederholt. Für diese Vorwürfe gibt es keine Belege. Ähnliche Angriffe auf das Wahlsystem hatten zur Entscheidung beigetragen, seinen Vater von Wahlen auszuschließen. Organisation und Kontrolle der Abstimmungen liegen bei der brasilianischen Wahljustiz.
Lula will seine erneute Kandidatur nach Angaben der AP am 2. August ebenfalls in São Paulo formell bestätigen lassen. Damit zeichnet sich erneut eine Konfrontation zwischen der linken Arbeiterpartei und dem bolsonaristischen Lager ab, diesmal jedoch ohne dessen wegen eines Wahlverbots ausgeschlossenen Gründer.
Quellen
- Associated Press
- Tribunal Superior Eleitoral
- Supremo Tribunal Federal
- Franceinfo
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).