Brasília – 24.10.2026: Einen Tag vor der brasilianischen Präsidentschaftsstichwahl ist der Wahlkampf in den sozialen Netzwerken zu einem eigenen Konfliktfeld geworden. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein Herausforderer, Senator Flávio Bolsonaro, ringen um Stimmen und um Sichtbarkeit auf Instagram, Facebook und WhatsApp. Die Entscheidung fällt am Sonntag, dem 25. Oktober, nachdem keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang am 4. Oktober die absolute Mehrheit erreicht hatte.
Flávio Bolsonaro lag im ersten Durchgang mit 47 Prozent der gültigen Stimmen vor Lula, der auf 45 Prozent kam. Der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro profitiert im digitalen Raum von einem eng geknüpften Netz konservativer Aktivisten, Abgeordneter und reichweitenstarker Videoproduzenten. Dieses Milieu kann politische Botschaften rasch verbreiten und Anhänger kurzfristig mobilisieren.
Besonders sichtbar ist der wiedergewählte Abgeordnete Nikolas Ferreira aus dem Bundesstaat Minas Gerais. Er verfügt auf Instagram über rund 23,4 Millionen Abonnenten und zählt damit zu den einflussreichsten Stimmen des bolsonaristischen Lagers. Seine kurzen, emotional zugespitzten Videos erreichen vor allem jüngere und politisch stark engagierte Nutzer. Die digitale Reichweite einzelner Akteure ist so selbst zu einem Machtfaktor im Wahlkampf geworden.
Lulas Kampagne reagierte mit dem WhatsApp-Kanal O Exército do Lula, auf Deutsch Lulas Armee, den der Abgeordnete André Janones aufgebaut hatte. Nach Angaben aus dem Umfeld der Kampagne gewann der Kanal binnen etwa einer Woche mehr als drei Millionen Follower. Das Oberste Wahlgericht ließ ihn jedoch auf Antrag des Bolsonaro-Lagers bis zum Ende des Wahltags sperren; zugleich wurde das Konto von Janones zeitweise eingeschränkt.
Der weiter reichende Streit betrifft den Plattformkonzern Meta. Lula warf dem US-Unternehmen vor, die Verbreitung seiner Inhalte durch Algorithmen und Einschränkungen bei Werkzeugen künstlicher Intelligenz zu behindern, während Bolsonaro begünstigt werde. Ein Richter des Obersten Wahlgerichts verpflichtete Meta daraufhin zur unverzüglichen Gleichbehandlung beider Kandidaturen. Bei Verstößen droht dem Unternehmen eine tägliche Geldstrafe von 500.000 Real.
Meta erklärte anschließend, die angeordneten Maßnahmen umgesetzt zu haben. Der Konzern betonte zugleich, die Vorgaben beträfen nicht die gewöhnliche, organische Verbreitung von Beiträgen. Vertreter des Unternehmens und beider Wahlkampfteams trafen sich in Brasília mit einem Wahlrichter, um die Umsetzung zu erörtern.
Das Wahlgericht greift damit in die technischen Bedingungen politischer Kommunikation ein, ohne einzelne Inhalte zu bewerten. Die strukturellen Reichweitenvorteile etablierter Influencer lassen sich durch gleiche Zugangsregeln allerdings kaum beseitigen. Abgestimmt wird am 25. Oktober landesweit.
Quellen
- Franceinfo
- Tribunal Superior Eleitoral
- Agência Senado
- Associated Press
- CNN Brasil
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).