Politik & Gesellschaft

Bruno Le Maire will Vorschule ab dem ersten Lebensjahr

Der frühere Wirtschaftsminister schlägt vor, Kinder schon mit einem Jahr in einer gemeinschaftlichen Einrichtung zu betreuen. Anlass sind die jüngsten Pisa-Ergebnisse und die anhaltend großen Bildungsunterschiede in Frankreich.

Paris – 09.09.2026: Der frühere Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat vorgeschlagen, Kinder in Frankreich bereits vom ersten Lebensjahr an in einer gemeinschaftlichen Einrichtung zu betreuen. In einem Fernsehinterview am 8. September begründete er seinen Vorstoß mit den jüngsten Pisa-Ergebnissen und mit sprachlichen Unterschieden, die sich schon im frühen Kindesalter ausprägten. Kinder sollten früher einen gemeinsamen Ort besuchen, an dem sie Wörter lernten und soziale Erfahrungen sammelten.

Der Vorschlag liefe auf eine erhebliche Ausweitung des französischen Bildungssystems hinaus. Die Schulpflicht beginnt seit dem Schuljahr 2019 im Alter von drei Jahren. Grundlage ist das Gesetz für eine Schule des Vertrauens vom 26. Juli 2019. Die école maternelle kann unter bestimmten örtlichen Voraussetzungen zwar auch jüngere Kinder aufnehmen. Einen allgemeinen Anspruch auf einen Platz in einer schulischen Einrichtung ab dem ersten Lebensjahr gibt es jedoch nicht.

Le Maire verbindet seine Forderung mit einer Kritik an der Entwicklung der Schülerleistungen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlichte am 8. September die Ergebnisse der Pisa-Studie 2025. Frankreich verzeichnete wie der Durchschnitt der Organisation Rückgänge beim Lesen und in Mathematik. In den Naturwissenschaften blieb das Niveau vergleichsweise stabil. Sieben Prozent der französischen Teilnehmer erreichten dort die beiden höchsten Kompetenzstufen fünf oder sechs; damit entspricht Frankreich dem Durchschnitt der Organisation.

Die Pisa-Studie untersucht allerdings keine Leistungen von Kleinkindern. Aus ihr lässt sich daher nicht unmittelbar ableiten, dass eine frühere Aufnahme in die Vorschule später zu besseren Testergebnissen führen würde. Erfasst wird, wie 15-Jährige ihr Wissen beim Lesen sowie in Mathematik und Naturwissenschaften anwenden. Die französische Bildungsverwaltung misst gleichwohl dem frühen Erwerb von Wortschatz, Lautbewusstsein und Zahlenverständnis große Bedeutung für das spätere Lesen, Schreiben und Rechnen bei.

In der Praxis würde Le Maires Vorschlag die Aufgabenteilung zwischen Krippe und école maternelle grundlegend verändern. Einjährige Kinder benötigen kleinere Gruppen, entsprechend qualifiziertes Personal, altersgerechte Räume und eine enge Abstimmung mit ihren Familien. Der französische Kindergarten ist bislang vor allem auf Kinder ab drei Jahren zugeschnitten. Seine Programme wurden 2026 überarbeitet, um die Lernziele genauer nach Altersstufen zu gliedern.

Politisch handelt es sich zunächst um eine persönliche Forderung des früheren Ministers, nicht um ein Vorhaben der Regierung. Sie berührt zwei seit Jahren kontrovers diskutierte Probleme: den ungleichen Zugang zu frühkindlicher Betreuung und den starken Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erklärt die soziale Herkunft in Frankreich 21 Prozent der Unterschiede bei den Mathematikleistungen; im Durchschnitt der Mitgliedstaaten sind es 15 Prozent.

Das Bildungsministerium verweist als Reaktion auf die Pisa-Daten auf bereits eingeleitete Reformen und eine langfristige Strategie zur Verbesserung der Leistungen. Le Maires Vorschlag ginge deutlich weiter: Er setzte einen umfangreichen Ausbau öffentlicher Betreuungsangebote für Kleinkinder voraus.

Quellen

  • Franceinfo
  • Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Französisches Bildungsministerium
  • Éduscol

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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