London – 25.07.2026: Charli XCX hat ihr siebtes Studioalbum "Music, Fashion, Film" veröffentlicht und setzt damit einen deutlichen Schnitt nach dem weltweiten Erfolg von "Brat". Der Titel klingt wie eine Aufzählung aus der Garderobe der Gegenwartskultur, doch die elf Stücke kreisen um eine unbequemere Frage: Was bleibt von einer Künstlerin, wenn der öffentliche Rausch vorüber ist?
Charlotte Aitchison, wie Charli XCX mit bürgerlichem Namen heißt, war lange eine Schlüsselfigur jener Popmusik, die digitale Überforderung, Clubenergie und ironische Selbstinszenierung ineinanderschob. Auf "Brat" wurde daraus 2024 ein kulturelles Ereignis mit grellgrüner Oberfläche und erstaunlicher Reichweite. Das neue Album widerruft diese Ästhetik nicht. Es betrachtet sie vielmehr aus geringer Distanz, als wäre der Ruhm selbst eine Kulisse, die nach Drehschluss stehen bleibt.
Schon der vorab veröffentlichte Song "Rock Music" hatte Spekulationen über einen stilistischen Ausbruch ausgelöst. Charli XCX widersprach jedoch der Deutung als bloßes Rockalbum. Tatsächlich arbeitet "Music, Fashion, Film" mit verschiedenen Pop- und Rockzitaten, ohne sich einer einzigen Gattung zu unterwerfen. Die Songs sind kurz, zugespitzt und wirken bisweilen wie Szenenfragmente: ein Blitzlicht, eine abgelehnte Kreditkarte, ein Blick in die Kamera.
Diese Kürze ist mehr als formale Disziplin. Wo "Brat" seine Wirkung aus Wiederholung, Schlagworten und kollektivem Überschwang bezog, richtet das neue Werk den Blick auf das Danach. Der Star erscheint als Person, Marke und Projektionsfläche zugleich. Zwischen Selbstbehauptung und Erschöpfung entsteht ein Album, das den Mechanismus des Popgeschäfts aus dessen eigener Sprache heraus beschreibt.
Der Titel "SS26" verweist auf die Sprache der Mode, genauer auf die Frühjahr-Sommer-Saison 2026. Mode dient hier nicht als Dekoration, sondern als Bild für die Zumutung, ständig eine neue Version der eigenen Person auszustellen. Auch das Kino ist mehr als ein Referenzraum: Es liefert dem Album seine Rollen und Masken sowie den Gedanken, dass ein Star sich fortwährend selbst beim Spielen zusieht.
Besonders offen tritt das Konzept in "No One Lasts Forever" hervor, auf dem der kanadische Regisseur David Cronenberg zu hören ist. Seine Beteiligung fügt sich in die Welt des Albums, deren Themen Körper, Bild und Vergänglichkeit miteinander verschränkt. Der Titel sagt nüchtern, was Pop gewöhnlich mit Jubel übermalt: Dauer ist eine Illusion, selbst wenn Algorithmen, Fanarchive und endlose Wiederholungen etwas anderes versprechen.
Charli XCX versucht weder, den "Brat"-Sommer zu verlängern, noch dessen Losung neu zu lackieren. "Music, Fashion, Film" handelt vom Preis der Sichtbarkeit und von der eigentümlichen Traurigkeit, alles erreicht zu haben. Das Album bewahrt dabei den Witz einer Künstlerin, die weiß, dass selbst der größte Popmoment irgendwann nur noch ein sehr gut ausgeleuchtetes Erinnerungsbild ist.
Quellen
- Franceinfo
- Charli XCX Official Store
- Associated Press
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).