Paris – 22.07.2026: Zwei Tage vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums "Music, Fashion, Film" am 24. Juli legt Charli XCX eine jener kalkulierten Kursänderungen vor, die bei ihr selten nur musikalisch gemeint sind. Nach dem grell kalkulierten, elektrisierenden "Brat"-Kosmos klingt nun manches spröder, gitarrenlastiger, beinahe demonstrativ unglamourös. Doch die Sängerin widerspricht der naheliegenden Diagnose eines bloßen Ausflugs in den Rock.
Die bislang vorgestellten Stücke "Rock Music", "SS26" und "Wink Wink" haben die Spekulation befördert. Verzerrte Gitarren, reduzierte Rhythmen und eine weniger euphorische Grundierung rücken in den Vordergrund. Besonders "SS26" verbindet Modewelt und Pop-Melancholie mit einem kargen Klangbild, das sich bewusst vom maximalistischen Hyperpop der vergangenen Jahre entfernt. Der Titel des Albums stellt Musik, Mode und Film gleichberechtigt nebeneinander – als wolle er bereits die übliche Genrefrage aushebeln.
Charli XCX selbst hat die Etikettierung als Rockalbum zurückgewiesen. Das ist mehr als eine terminologische Korrektur. Ihr Pop war immer ein Labor: mal clubbig und synthetisch, mal sentimental, mal mit Absicht überdreht. Auch die neuen Gitarren wirken deshalb weniger wie ein Bekenntnis zu einer neuen Szene als wie Material, das sie sich aneignet und gegen den Strich bürstet. Rock wird bei ihr zur Textur, nicht zur Traditionspflege.
Der Abstand zu "Brat" ist dennoch deutlich. Das 2024 erschienene Album hatte sich weit über die Musikwelt hinaus als ästhetische Haltung verbreitet: säuregrüne Farbflächen, Selbstinszenierung, Party und Erschöpfung gingen eine eigentümlich produktive Verbindung ein. Dass Charli XCX diese Ära nun nicht einfach fortschreibt, gehört zu ihrer künstlerischen Logik. Popstars werden oft dafür belohnt, sich zu wiederholen; sie scheint die Wiederholung eher als Risiko zu begreifen.
"Music, Fashion, Film" umfasst nach den offiziellen Angaben elf Stücke. Die knappe Form passt zu einer Künstlerin, die seit Langem mit Verdichtung arbeitet: Ein Refrain kann bei ihr wie ein Slogan funktionieren, ein Synthesizer wie eine Kulisse, ein Kleid wie eine These. Zugleich deutet der Albumtitel auf eine skeptischere Bestandsaufnahme jener Kreativindustrien hin, die Pop zugleich ermöglichen und verschleißen.
In Paris hatte Charli XCX ihr kommendes Album bereits Anfang Juli bei einer Listening-Party vorgestellt. Die Stadt ist dabei nicht bloß modische Staffage. Sie passt zu einem Projekt, das zwischen Laufsteg, Kino und Tonstudio wandert und aus dieser Unruhe sein Thema macht. Die neue Platte wird deshalb wohl weniger als Absage an "Brat" zu hören sein denn als dessen ernüchterter Nachhall.
Ob aus den vorab veröffentlichten Songs tatsächlich ein geschlossenes neues Klangkapitel wird, lässt sich erst mit dem Album beurteilen. Sicher ist vorerst nur: Charli XCX verlässt die Hyperpop-Architektur nicht, um in einer Rockpose Schutz zu suchen. Sie baut vielmehr an einem Pop weiter, der seine eigene Oberfläche kennt – und ihr gerade deshalb nicht ganz traut.
Quellen
- Apple Music
- Live Nation Newsroom
- Associated Press
- NME
- Vogue France
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).