Am 24. Juli 2025 bringt China Moses im Théâtre de Verdure in Nizza den Geist der afroamerikanischen Musik auf die Bühne – mit einer Stimme, die nicht nur singt, sondern erzählt, erinnert und aufrüttelt.
Zwischen Welten, zwischen Kulturen
Man hört es sofort: China Moses ist keine gewöhnliche Jazzsängerin.
Die Tochter der legendären Dee Dee Bridgewater und des US-Regisseurs Gilbert Moses lebt in Paris, geboren wurde sie in Los Angeles. Diese Biografie spiegelt sich in jedem Ton ihrer Musik wider – eine Reise durch Blues, Funk, Soul und Jazz, die Grenzen nicht kennt.
Ihr aktuelles Album It's complicated, erschienen im Frühjahr, ist mehr als eine Sammlung von Songs. Es ist eine musikalische Biografie, eine klangvolle Auseinandersetzung mit Herkunft, Identität und Emotion.
Frankreich als Fixstern der Freiheit
In einem Interview bringt China Moses es auf den Punkt: „Viele schwarze Künstlerinnen und Künstler sahen in Frankreich eine Art ‘Nordstern’ der Akzeptanz.“
Eine treffende Metapher.
Denn Frankreich ist für viele afroamerikanische Künstler seit Jahrzehnten mehr als nur ein Wohnort – es ist ein Ort des Aufatmens, ein kreatives Refugium. Josephine Baker, James Baldwin, Nina Simone – sie alle fanden hier nicht nur Applaus, sondern Würde.
China Moses steht in dieser Tradition – und sie führt sie weiter. Mit einer Stimme, die Geschichten von Schmerz, Hoffnung und Stolz erzählt.
Ein Auftritt mit Gewicht
Was erwartet das Publikum in Nizza?
Ein Konzert, ja – aber auch eine Reise. China Moses verbindet musikalische Stile so organisch, als seien sie eine Familie. Jazz flirtet mit Soul, der Blues schimmert durch, das Funkgroove trägt alles.
Es wird nicht nur gesungen – es wird erzählt.
Und genau das macht ihren Auftritt zu einem der Höhepunkte des Nice Jazz Festivals 2025.
Stimme mit Haltung
Doch China Moses ist mehr als Künstlerin.
Sie ist Moderatorin, Produzentin, Mentorin. Eine Frau, die jungen Stimmen Raum gibt, unbequeme Themen anspricht und nie vergisst, woher sie kommt – und wohin sie will.
Mit Projekten, die sich mit Identität, Gerechtigkeit und kulturellem Erbe beschäftigen, bringt sie gesellschaftliche Fragen ins Rampenlicht. Und macht deutlich: Jazz ist politisch. Kultur ist Stellungnahme.
Was bleibt
Ein Abend mit China Moses ist keine flüchtige Show.
Es ist ein Plädoyer für Vielfalt. Für Erinnerung. Für die Kraft der Musik, Brücken zu bauen, Wunden zu benennen – und Heilung zu ermöglichen.
Nizza wird an diesem Abend nicht nur ein Ort des Klangs sein, sondern ein Ort der Begegnung. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Amerika und Europa, zwischen Schmerz und Schönheit.
Oder anders gefragt: Gibt es eine bessere Bühne für all das als den Sommer in Südfrankreich?
Autor: C.H.