Aktuell · 21.07.2026 05:47
Christopher Nolans “Die Odyssee” erobert die nordamerikanischen Kinos
Christopher Nolans Verfilmung des homerischen Epos startet mit 124,5 Millionen Dollar an der Spitze des nordamerikanischen Box Office. Der fast dreistündige Film lässt Disneys "Vaiana" und "Minions & Monsters" deutlich hinter sich.
New York – 21.07.2026: Christopher Nolan hat die Kinokassen Nordamerikas mit einer Reise ins mythische Griechenland erobert. Seine Verfilmung von Homers "Odyssee" spielte am Startwochenende nach Branchenschatzungen 124,5 Millionen Dollar ein und setzte sich damit klar an die Spitze. Weltweit kamen weitere Einnahmen hinzu, so dass der Film auf rund 264,1 Millionen Dollar zum Auftakt kam.
Der Erfolg ist auch deshalb bemerkenswert, weil "Die Odyssee" mit 2 Stunden und 53 Minuten weit mehr verlangt als den üblichen sommerlichen Kinobesuch. Nolan erzählt die Heimkehr des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg als großformatiges Abenteuer, das auf IMAX-Film gedreht wurde. Der Regisseur vertraut dabei offenbar darauf, dass selbst ein antiker Stoff noch Zugkraft entwickelt, wenn er wie ein Ereignis behandelt wird.
Matt Damon verkörpert Odysseus, den listenreichen König von Ithaka. Anne Hathaway spielt seine wartende Frau Penelope, Tom Holland den Sohn Telemachos. Zum Ensemble gehören zudem Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Zendaya und Charlize Theron. Diese Starbesetzung ist weniger schmückendes Beiwerk als Teil der Strategie: Nolan macht aus einer Grundlagenerzählung der europäischen Literatur ein modernes Studiogeschehen.
Auf dem zweiten Rang landete Disneys Realverfilmung "Moana", die im deutschsprachigen Raum als "Vaiana" bekannt ist. Der Film erzielte am Wochenende rund 19 Millionen Dollar. "Minions & Monsters" folgte mit etwa 14,8 Millionen Dollar auf Platz drei, nahezu gleichauf mit "Toy Story 5". Für das familienfreundliche Konkurrenzprogramm war es ein Wochenende, an dem der gelbe Übermut und die pazifische Seefahrt gegen einen sehr viel älteren Seefahrer verblassten.
Nolans Ergebnis übertrifft den Kinostart von "Oppenheimer" und markiert seine stärkste Eröffnung seit "The Dark Knight Rises" aus dem Jahr 2012. Anders als sein vielfach ausgezeichneter Film über den Physiker J. Robert Oppenheimer setzt "Die Odyssee" nicht auf historische Nüchternheit, sondern auf Götter, Monster, Krieg und Heimkehr. Der Stoff bleibt dennoch menschlich: Im Zentrum steht ein Mann, der nach Jahren der Gewalt wieder zu seiner Familie finden will.
Für Universal Pictures ist der Start ein Signal, dass das Kinoereignis im Hochsommer noch immer funktionieren kann, auch ohne die vertraute Sicherheit eines Superheldenfranchise. Die breite Auswertung in 3919 nordamerikanischen Kinos und die besonderen IMAX-Vorführungen dürften dazu beigetragen haben. Entscheidend wird nun sein, ob der Film über die erste Begeisterung hinaus ein Publikum hält, das sich Zeit für seine Reise nimmt.
In Frankreich war "L'Odyssee" bereits am 15. Juli 2026 angelaufen. Dort wie in den USA trifft die Produktion auf ein Publikum, das Homers Epos in vielen Fassungen kennt, aber selten mit der Wucht eines Hollywood-Spektakels erlebt hat. Nolan hat aus der ältesten aller Irrfahrten keinen Schulstoff gemacht, sondern einen Kinosaal voller offener See.
Quellen
- Associated Press
- Universal Pictures Canada
- The Numbers
- Box Office Mojo