Paris – 08.08.2026: Die Kinowoche vom 5. August bringt drei Arbeiten zusammen, die geografisch weit auseinanderliegen und doch ein Motiv teilen: das vorsichtige Aufbegehren gegen familiäre Erwartungen. "Cotton Queen" von Suzannah Mirghani, "Des fleurs pour Tokyo" von Yuiga Danzuka und "Girl", das Regiedebüt der taiwanischen Schauspielerin Shu Qi, setzen auf genaue Milieus statt auf große Effekte.
In "Cotton Queen" lebt die fünfzehnjährige Nafisa in einem sudanesischen Dorf, dessen Familien vom Baumwollanbau leben. Ihre Großmutter erzählt von der Vergangenheit und vom Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft. Als ein skrupelloser Geschäftsmann die Plantage bedroht, verdichten sich für das Mädchen Fragen nach Herkunft, Verantwortung und Selbstständigkeit. Mirghanis 94-minütiges Drama ist eine deutsch-französisch-palästinensische Koproduktion und läuft seit Mittwoch in Frankreich.
Der Titel verweist auf Baumwolle als Ware, Erinnerung und Familienerbe. Nafisas Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben trifft auf die Bindung an eine Gemeinschaft, deren wirtschaftliche Existenz gefährdet ist. Die Verbindung von jugendlicher Perspektive und kolonialer Geschichte gibt dem Film sein Gewicht, ohne die Heldin zur bloßen Projektionsfläche gesellschaftlicher Konflikte zu machen. Mihad Murtada spielt Nafisa, Rabeha Mahmoud ihre Großmutter Al-Sit.
Auch "Des fleurs pour Tokyo" handelt von einer Begegnung, die lange überfällig war. Ren liefert Orchideen durch Shibuya, jenes geschäftige Viertel Tokios, dessen Neonlicht und Menschenströme selten Pausen erlauben. Sein Vater Hajime entwirft Häuser für andere, hat aber nie eines für die eigene Familie geschaffen. Eine Lieferung führt Vater und Sohn wieder zusammen. Yuiga Danzuka entwickelt daraus ein Familiendrama über Versäumnisse und eine mögliche, keineswegs bequeme Versöhnung.
Mit 115 Minuten nimmt sich der japanische Film Zeit für zögernde Sätze, alte Kränkungen und die merkwürdige Förmlichkeit zwischen Menschen, die einander sehr nah sein müssten. Kodai Kurosaki verkörpert Ren. Dass ausgerechnet Blumen den Weg zu einer neuen Aussprache bahnen, wirkt sanft, besitzt aber eine handfeste Seite: Gefühle werden hier zunächst geliefert, nicht erklärt.
Shu Qis "Girl" führt in das Taiwan des Jahres 1988. Die junge Hsiao-lee findet in ihrer Familie keinen sicheren Platz und versucht, sich gegen bedrückende Verhältnisse zu behaupten. Der 124 Minuten lange Film ist Shu Qis erste Regiearbeit; die international bekannte Darstellerin schrieb zudem das Drehbuch. Das Erwachsenwerden des Mädchens erscheint weder als nostalgische Rückschau noch als geradlinige Befreiung.
Alle drei Filme lassen junge Figuren die Geschichten prüfen, die Erwachsene ihnen hinterlassen haben. So bietet die Kinowoche drei konzentrierte Erzählungen für ein Publikum, das zwischen den Sommerblockbustern nach genauer Figurenzeichnung und leisen Konflikten sucht.
Quellen
- Franceinfo
- L'Officiel des spectacles
- Cinefil
- Studio Cine
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).