Politik & Gesellschaft

Epstein-Komplex: Kinderschutzverein verklagt französischen Staat nach Tod von Daniel Siad

Nach dem Tod des früheren Modelscouts Daniel Siad wirft der Verein Innocence en danger den französischen Justizbehörden Untätigkeit vor. Siad war mit mehreren Anzeigen konfrontiert, wurde nach Medienangaben jedoch nie vernommen.

Colombes – 23.07.2026: Nach dem Tod des früheren Modelscouts Daniel Siad hat der Kinderschutzverein Innocence en danger den französischen Staat wegen eines mutmaßlichen Versagens der Justiz vor Gericht gezogen. Der Verein wirft den Behörden vor, Beschwerden und Hinweise über Jahre nicht mit der nötigen Konsequenz verfolgt zu haben. Siad war im französischen Teil des Epstein-Komplexes als möglicher Vermittler genannt worden.

Der 69-Jährige war nach Angaben französischer Medien in seiner Wohnung in Colombes im Département Hauts-de-Seine tot aufgefunden worden. Die Umstände seines Todes wurden in den vorliegenden Berichten nicht näher erläutert. Für die Ermittlungen ist entscheidend: Daniel Siad ist weder in diesem Zusammenhang angeklagt noch verurteilt worden. Seine Anwältin hatte zuvor erklärt, ihr Mandant wolle von der Justiz angehört werden, um seine Darstellung vortragen zu können.

Nach Informationen von Franceinfo lagen gegen Siad mehrere Beschwerden vor, darunter zwei wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Erste Hinweise sollen bereits im Sommer 2019 bei den französischen Behörden eingegangen sein. Dennoch sei der Mann vor seinem Tod nicht von Ermittlern oder Richtern vernommen worden. Genau darin sieht Innocence en danger den Kern des Vorwurfs eines Justizversagens.

Die Organisation, die von Homayra Sellier gegründet wurde, verlangt mit ihrer Klage eine gerichtliche Prüfung der behördlichen Arbeit. Ihr Ziel ist nicht allein die Aufarbeitung des Falls Siad. Der Verein will auch klären lassen, ob mögliche weitere Beteiligte, mögliche Opfer und bislang ungenutzte Erkenntnisse im Umfeld des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ausreichend berücksichtigt worden sind.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte im Februar 2026 ein Verfahren wegen des Verdachts auf Menschenhandel in organisierter Form und Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Es soll nach dem Tod Siads weitergeführt werden. Ermittler sollen dabei prüfen, ob es weitere mutmaßliche Komplizen gab und welche Rolle einzelne Kontakte im französischen Modelmilieu spielten. Für Betroffene bleibt das Verfahren ein wichtiger Weg, gehört zu werden.

Der Fall zeigt erneut, wie belastend lange Ermittlungszeiten für Menschen sein können, die schwere sexualisierte Gewalt anzeigen. Der Tod eines Beschuldigten beendet mögliche strafrechtliche Schritte gegen ihn. Er beantwortet jedoch nicht die Fragen nach institutioneller Verantwortung, nach möglichen weiteren Tatverdächtigen und nach dem Schutz potenzieller Opfer. Die nun eingereichte Klage richtet den Blick deshalb auf die Arbeit der französischen Justiz selbst.

Quellen

  • Franceinfo
  • RTL
  • Parquet de Paris laut Medienberichten

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels