Lille – 19.08.2026: Erzbischof Laurent Le Boulc'h will am 31. August in Lille ein Kollektiv mutmaßlicher Opfer des früheren Priesters Jacques Delfosse empfangen. Das berichtete France Inter am Mittwoch. Die Betroffenen sollen bei der Begegnung Gelegenheit erhalten, ihre Erwartungen unmittelbar gegenüber der Leitung des Erzbistums zu äußern.
Der Fall beschäftigt die katholische Kirche im Norden Frankreichs seit Monaten erneut. Nach Angaben von France Inter liegen gegen Delfosse inzwischen 25 Anzeigen wegen mutmaßlicher Vergewaltigungen und sexueller Übergriffe vor. Die Vorwürfe beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und Orte. Für Delfosse gilt hinsichtlich der neuen Anschuldigungen die Unschuldsvermutung.
Delfosse war bereits 2007 von einem Schwurgericht im Département Val-de-Marne wegen der Vergewaltigung Minderjähriger zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, davon sechs Monate ohne Bewährung. Nach Angaben des Erzbistums Lille war er im Jahr 2000 von jedem priesterlichen Dienst suspendiert worden. 2025 beantragte Le Boulc'h in Rom die Entlassung Delfosses aus dem Klerikerstand. Der Vatikan entsprach dem Antrag später.
Die neuen Anzeigen haben auch die strafrechtliche Aufarbeitung wieder in Gang gesetzt. Der Staatsanwalt von Lille informierte Betroffene Anfang Juli über den Stand der Verfahren. Delfosse sei von der Gendarmerie vernommen, sein Wohnsitz durchsucht worden. Ob weitere Ermittlungsmaßnahmen folgen oder ein neues Gerichtsverfahren eröffnet wird, ist bislang nicht bekannt. Bei mutmaßlichen Taten, die lange zurückliegen, muss die Justiz zudem für jeden einzelnen Vorwurf prüfen, ob Verjährung eingetreten ist.
Das Gespräch mit dem Erzbischof ist von den strafrechtlichen Ermittlungen getrennt. Es betrifft die Verantwortung des Erzbistums für den Umgang mit Hinweisen, Meldungen und den langfristigen Folgen sexualisierter Gewalt. Das Erzbistum Lille verweist auf eine eigene Anlauf- und Zuhörstelle für Betroffene sowie auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Einrichtungen. Auch die französische Bischofskonferenz bietet Zugänge zu kirchlichen und unabhängigen Hilfsangeboten an.
Für das Kollektiv bietet der Termin die Möglichkeit, Aufklärung und Unterstützung einzufordern. Mehrere der nun öffentlich bekannten Vorwürfe wurden erst erhoben, nachdem Medienberichte weitere Betroffene dazu bewogen hatten, sich zu melden. Das Treffen fällt somit in eine Phase, in der parallel mehrere Ebenen der Aufarbeitung laufen: Die Justiz prüft die neuen Anzeigen, während das Erzbistum erklären muss, wie es mit den Betroffenen und möglichen früheren Versäumnissen umgeht. Nach dem bislang veröffentlichten Zeitplan soll die Unterredung am 31. August in Lille stattfinden.
Quellen
- Franceinfo/France Inter
- Erzbistum Lille
- Le Monde
- Diözese Créteil
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).