Genf – 30.07.2026: Gianni Infantino treibt den nächsten großen Umbau im Weltfußball voran. Die FIFA erwägt eine eigenständige Gesellschaft, in der sie die kommerziellen Rechte an Weltmeisterschaften, Klub-Weltmeisterschaften und weiteren Veranstaltungen bündeln könnte. Externe Geldgeber sollen eine Minderheitsbeteiligung erwerben können. Der Weltverband versichert, die sportliche Hoheit, das Regelwerk und die Kontrolle über seine Wettbewerbe vollständig zu behalten.
Der diskutierte Rahmen ist beträchtlich: Berichten von Associated Press und Reuters zufolge könnte die neue Einheit mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Bis zu 20 Prozent der Anteile könnten an private Investoren gehen. Das dadurch eingenommene Kapital soll in den Fußball zurückfließen und höhere Ausschüttungen an die 211 FIFA-Mitgliedsverbände ermöglichen. Infantino hat ihnen nach diesen Berichten eine Frist bis zum 19. September 2026 gesetzt.
Auf dem Rasen würde sich zunächst nichts ändern. Die FIFA bliebe Veranstalterin ihrer Turniere und bestimmte weiterhin Teilnehmerfelder, Kalender und Reglements. Doch an dieser Trennlinie entzündet sich der Konflikt. Wer Anteile an einem Unternehmen hält, dessen Wert von Fernsehverträgen, Sponsorenpaketen, Eintrittskarten und Bewirtungsangeboten abhängt, erwartet Rendite. Der französische Sportökonom Christophe Le Petit warnt deshalb, private Kapitalgeber würden ihr Geld nicht ohne wirtschaftliche Gegenleistung bereitstellen.
Damit gerät jedes Wettbewerbsformat unter neuen Rechtfertigungsdruck. Mehr Spiele, größere Teilnehmerfelder, zusätzliche Werbeflächen oder günstigere Anstoßzeiten können die Erlöse steigern. Für Investoren wären solche Änderungen Bestandteile eines Geschäftsmodells; für Verbände, Klubs und Spieler berühren sie Belastungsgrenzen, sportliche Fairness und die Eigenart der Wettbewerbe. Die Auseinandersetzung reicht daher über die geplante Finanztransaktion hinaus.
Die UEFA reagierte scharf auf die Ankündigung vom 28. Juli 2026 und kritisierte den fehlenden Dialog. Auch die European Leagues und die Spielergewerkschaft FIFPRO beklagten, bei einem Vorhaben dieser Größenordnung nicht frühzeitig einbezogen worden zu sein. Sie befürchten, dass die FIFA ihre regulatorischen Befugnisse zwar formell behält, wirtschaftlicher Druck aber dennoch die Entwicklung der Turniere prägt.
Infantino verweist auf bislang ungenutztes kommerzielles Potenzial. Nach der Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA sieht die FIFA eine starke wirtschaftliche Grundlage für zusätzliche Investitionen in Entwicklungsprogramme. Vor allem kleinere Verbände könnten von höheren Zuwendungen profitieren. Diese Aussicht verschärft zugleich den politischen Konflikt: Die Mitgliedsverbände sollen über ein Modell entscheiden, das ihre eigenen Einnahmen unmittelbar berührt.
Der Streit dreht sich somit um den Preis schneller verfügbaren Kapitals. Die Kritiker fürchten einen dauerhaften Zielkonflikt zwischen Renditeerwartungen und sportlicher Steuerung. Über Infantinos Modell sollen die Mitgliedsverbände bis zum 19. September 2026 entscheiden.
Quellen
- FIFA
- Associated Press
- Reuters
- franceinfo
- Le Monde
- UEFA
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).