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François Bayrou – Beliebter Bürgermeister, ungeliebter Premier

Mit einem Rekordtief von nur 14 bis 17 Prozent Vertrauenszuspruch ist François Bayrou im Mai 2025 der unpopulärste Premierminister Frankreichs seit Gründung der Fünften Republik. Ein drastisches Urteil, das ihn selbst überrascht haben dürfte – doch ein Blick auf seine bisherige Amtszeit erklärt vieles. Vom Hoffnungsträger zum Problemfall Als Bayrou im Dezember 2024 zum Premierminister…

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Mit einem Rekordtief von nur 14 bis 17 Prozent Vertrauenszuspruch ist François Bayrou im Mai 2025 der unpopulärste Premierminister Frankreichs seit Gründung der Fünften Republik. Ein drastisches Urteil, das ihn selbst überrascht haben dürfte – doch ein Blick auf seine bisherige Amtszeit erklärt vieles.

Vom Hoffnungsträger zum Problemfall

Als Bayrou im Dezember 2024 zum Premierminister ernannt wurde, war die politische Lage ohnehin fragil. Der vorherige Premier Michel Barnier war gestürzt, und Bayrou sollte nun Stabilität bringen. Stattdessen wurde es turbulent – und das schneller, als vielen lieb war.

Der Beginn war bereits ein Fehlstart. Während das Französische Überseedepartement Mayotte unter den Verwüstungen eines Zyklons litt, reiste Bayrou nicht etwa zu den Betroffenen, sondern leitete lieber eine Stadtratssitzung in Pau, seiner Heimatstadt, wo er weiterhin Bürgermeister ist. Wer zwei Hüte trägt, kann eben nicht überall gleichzeitig sein – und dieses Bild hat sich eingebrannt.

Seine Regierungsbildung? Ein weiteres Minenfeld. Am Tag nationaler Trauer wegen der Katastrophe in Mayotte präsentierte er sein Kabinett. Viele Gesichter waren altbekannt – das Versprechen von „Neuanfang“ wirkte wie ein leeres Wort.

Unbequeme Entscheidungen und ein autoritärer Stil

Mitten in einer zerklüfteten Nationalversammlung musste Bayrou handeln. Doch wie er es tat, kam schlecht an: Artikel 49.3 der französischen Verfassung erlaubt es der Regierung, Gesetze ohne Abstimmung durchzusetzen. Und genau das tat er – beim Staatshaushalt wie auch beim Gesetz zur Sozialversicherung.

Diese Alleingänge wirkten auf viele wie ein Beweis mangelnder Dialogbereitschaft. Bayrou wirkte plötzlich nicht mehr wie der ausgleichende Centrist von einst, sondern eher wie ein machtbewusster Krisenmanager auf Abwegen.

Ein besonders schräges Kapitel war seine Idee eines „Krisen-Klosters“, pardon, eines „Konklaves“ zur Rentenreform. Er lud Polit-Akteure ein, um gemeinsam über eine mögliche Reform nachzudenken – dabei hatte die Bevölkerung die letzte große Reform gerade erst mühsam akzeptiert. Ein Schachzug, der eher wie politisches Schattenboxen ankam.

Unbeliebt – nicht nur bei der Opposition

Was Bayrous Lage noch prekärer macht: Nicht nur politische Gegner sind kritisch. Selbst aus den eigenen Reihen – also der präsidialen Mehrheit – wird der Ton rauer. Einige werfen ihm fehlendes Führungsvermögen vor. Andere sprechen offen von einem Vertrauensverlust.

Und selbst Emmanuel Macron, der Präsident, steht angeschlagen da: Seine Zustimmungswerte sanken auf 26 Prozent. Ein schwächelnder Premier, ein geschwächter Präsident – das ist kein Duo, das Vertrauen stiftet.

Kann das noch gut gehen?

Die zentrale Frage ist nun: Wie lange kann sich François Bayrou noch halten? Oder sollte man fragen – wie lange will sich Macron ihn noch leisten?

Ein Rücktritt könnte zwar kurzfristig für Erleichterung sorgen, doch er birgt auch Risiken. Frankreich hat derzeit keine stabile Mehrheit im Parlament. Ein neues Regierungschaos könnte die ohnehin gespannte Lage weiter verschärfen.

Bayrous Mission ist nun eindeutig: Er muss Vertrauen zurückgewinnen – sowohl bei den Abgeordneten als auch bei den Bürgerinnen und Bürgern. Und das geht nur, wenn er sichtbare Veränderungen einleitet. Mehr Offenheit. Mehr Nahbarkeit. Weniger Paris, mehr Frankreich.

Vom Saulus zum Paulus?

François Bayrou hat politisch schon viele Leben gelebt. Er war Kandidat für das Präsidentenamt, Königsmacher und langjähriger Bürgermeister. Aber so tief wie jetzt war das Wasser wohl selten. Es ist, als stünde er mit Gummistiefeln im Morast der Pariser Politik – und keiner reicht ihm die Hand.

Trotz allem: Die Geschichte zeigt, dass politische Wiederauferstehung möglich ist. Vielleicht überrascht Bayrou alle noch. Vielleicht gelingt es ihm, das Ruder herumzureißen. Vielleicht...

Oder war das Kapitel als Premierminister einfach eins zu viel?

Von P.T.

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