Politik & Gesellschaft

Gaza und Bündnisfrage spalten Frankreichs Sozialdemokraten

Eine Woche vor dem ersten Wahlgang ihrer Vorwahl stritten fünf Bewerber in Paris über Gaza, den Umgang mit dem Rassemblement National, Löhne und ein Bündnis mit La France insoumise.

Paris – 01.10.2026: Die zweite Fernsehdebatte der fünf Bewerber um die sozialdemokratische Präsidentschaftskandidatur hat die strategischen Bruchlinien der französischen Linken offengelegt. Olivier Faure, Raphaël Glucksmann, Ségolène Royal, Jérôme Guedj und Emmanuel Maurel diskutierten auf France 2 und France Inter mehr als zwei Stunden lang über den Krieg im Gazastreifen, den Umgang mit dem Rassemblement National und eine mögliche Zusammenarbeit mit La France insoumise.

Ein unmittelbarer Anlass waren Berichte des Onlinemediums Mediapart über antisemitische Äußerungen, die Jordan Bardella zugeschrieben werden. Die Kandidaten verlangten geschlossen politische Konsequenzen. Faure erklärte den Vorsitzenden des Rassemblement National für politisch nicht mehr tragbar; Royal stellte dessen Mandat im Europäischen Parlament infrage. Die Auseinandersetzung erlaubte es allen fünf Bewerbern, ihre gemeinsame Abgrenzung von der extremen Rechten hervorzuheben.

Deutlich weniger Einigkeit bestand bei der Bewertung des Krieges im Gazastreifen. Faure bezeichnete das Geschehen als Völkermord und verlangte eine klarere Haltung Frankreichs. Glucksmann lehnte diese juristische Einordnung erneut ab und sprach stattdessen von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er forderte, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor die internationale Justiz zu bringen, und bekannte sich zur Zweistaatenlösung. Guedj warnte davor, den Nahostkonflikt in französische Städte und Gemeinden hineinzutragen.

Royal verteidigte sich zugleich gegen Kritik an ihren Äußerungen während der ersten Debatte. Ihre Aussagen zum Antisemitismus seien entstellt worden, sagte sie. Mit Blick auf die Ukraine warb sie für eine dauerhafte französische Verhandlungsinitiative. Faure und Glucksmann entgegneten, Gespräche könnten nur unter Beteiligung der Ukraine geführt werden und dürften nicht auf eine faktische Anerkennung russischer Eroberungen hinauslaufen. Maurel sprach sich für weitere finanzielle und militärische Hilfe für Kiew aus.

Auch in der Wirtschafts- und Sozialpolitik traten Unterschiede hervor. Glucksmann will eine Senkung der allgemeinen Sozialabgabe durch eine stärkere Besteuerung sehr großer Erbschaften von mehr als zwei Millionen Euro finanzieren. Faure widersprach: Der Staat dürfe Lohnerhöhungen nicht anstelle der Arbeitgeber tragen. Maurel verlangte höhere Löhne, eine Bindung der Gehälter an die Inflation und eine Anhebung des Mindestlohns. Royal warnte davor, zusätzliche Sozialausgaben in den Staatshaushalt zu verlagern.

Die schärfste strategische Differenz betrifft weiterhin La France insoumise. Glucksmann schloss ein Bündnis wegen unvereinbarer Positionen zur europäischen Verteidigung und zur republikanischen Ordnung aus. Faure, Royal und Maurel hielten sich eine breitere Zusammenarbeit der Linken offen. Der erste Wahlgang der Vorwahl findet am 9. und 10. Oktober 2026 statt; eine Stichwahl ist für den 16. und 17. Oktober vorgesehen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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