Politik & Gesellschaft

Glucksmann gewinnt Vorwahl der französischen Sozialdemokraten

Raphaël Glucksmann hat die Vorwahl des sozialdemokratischen Lagers mit rund 66 Prozent im ersten Wahlgang gewonnen. Damit tritt er für das Bündnis bei der Präsidentschaftswahl 2027 an.

Paris – 12.10.2026: Raphaël Glucksmann hat die Vorwahl des französischen sozialdemokratischen Lagers deutlich gewonnen und wird dessen Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2027. Nach den am Sonntagabend veröffentlichten Ergebnissen entfielen rund 66 Prozent der Stimmen auf den Europaabgeordneten und Vorsitzenden von Place publique. Ein zweiter Wahlgang war damit nicht erforderlich. An der Abstimmung beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren 120.787 Wählerinnen und Wähler.

Der Vorsitzende der Parti socialiste, Olivier Faure, kam mit 14 Prozent weit abgeschlagen auf den zweiten Platz. Auch Ségolène Royal, der sozialistische Abgeordnete Jérôme Guedj und Emmanuel Maurel von der Gauche républicaine et socialiste blieben jeweils unter zehn Prozent. Die Vorwahl hatte fünf Bewerberinnen und Bewerber aus Parteien und Gruppierungen der gemäßigten Linken zusammengeführt.

Glucksmann wertete das Ergebnis am Montag im Rundfunk als Wiederbelebung eines demokratischen linken Lagers. Es gebe wieder Zuversicht und den Anspruch, die Präsidentschaftswahl gewinnen zu können, sagte er. Bereits am Sonntag hatte er erklärt, eine Linke, die ihren Werten treu bleibe, könne verbinden, regieren und siegen. Daraus spricht sein Ziel, eine eigenständige politische Kraft zwischen dem Regierungslager und der radikalen Linken aufzubauen.

Seine Kandidatur ist vor allem von der Abgrenzung gegenüber La France insoumise geprägt. Die Partei von Jean-Luc Mélenchon nahm an der Vorwahl nicht teil. In den Debatten der vergangenen Wochen ging es wiederholt um die Frage, ob die Sozialdemokratie für die Wahlen 2027 erneut eine Verständigung mit der radikalen Linken suchen sollte. Glucksmann und mehrere seiner Mitbewerber warben stattdessen für einen eigenständigen Kurs.

Der 46-Jährige erzielte mit seiner Liste bei der Europawahl 2024 ein deutlich besseres Ergebnis als fünf Jahre zuvor. Seine politische Linie verbindet sozialpolitische Forderungen mit einer proeuropäischen und ökologischen Ausrichtung. Im Vorwahlkampf schlug er unter anderem vor, große Erbschaften stärker zu besteuern. Die zusätzlichen Einnahmen sollen nach seinem Konzept dazu dienen, Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zu entlasten.

Der klare Sieg stärkt Glucksmanns Stellung gegenüber den Parteien und ihren Apparaten. Besonders das schwache Abschneiden Faures macht sichtbar, wie stark sich das Kräfteverhältnis innerhalb des sozialdemokratischen Spektrums zugunsten des Vorsitzenden von Place publique verschoben hat. Aus dem Erfolg in einer begrenzten Vorwahl lässt sich allerdings noch keine breite Unterstützung in der gesamten französischen Linken ableiten.

Die Abstimmung verschafft Glucksmann eine formale Legitimation im Bündnis aus Parti socialiste, Place publique und weiteren sozialdemokratischen Kräften. Die Zersplitterung der Linken ist damit nicht beendet: Mit Mélenchon und voraussichtlich weiteren Bewerbern werden außerhalb dieses Lagers konkurrierende Kandidaturen erwartet. Glucksmann geht somit als gemeinsamer Kandidat eines klar umrissenen, institutionell verankerten Blocks in den Wahlkampf.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde
  • LCP – Assemblée nationale
  • Reuters via Boursorama
  • Public Sénat

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels