Paris – 12.10.2026: Raphaël Glucksmann hat die Vorwahl des sozialdemokratischen Lagers für die französische Präsidentschaftswahl 2027 bereits im ersten Durchgang gewonnen. Der Europaabgeordnete und Vorsitzende von Place publique erhielt nach Angaben der Organisatoren 79.613 Stimmen und damit 66,17 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der für den 16. und 17. Oktober geplante zweite Wahlgang entfällt.
Glucksmann setzte sich deutlich gegen den Ersten Sekretär der Sozialistischen Partei, Olivier Faure, durch. Faure kam auf 14,46 Prozent. Die frühere Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal erreichte 7,62 Prozent, der Abgeordnete Emmanuel Maurel 5,92 Prozent und Jérôme Guedj 5,83 Prozent. Organisiert wurde die elektronische Abstimmung von der Sozialistischen Partei, Place publique und der Republikanischen Sozialistischen Linken.
Für die Sozialistische Partei ist das Ergebnis ein Einschnitt. Glucksmann gehört ihr nicht an, arbeitete bei den Europawahlen 2019 und 2024 aber eng mit ihr zusammen. Er führt Place publique, eine kleinere sozialdemokratische und proeuropäische Formation. Erstmals seit ihrer Gründung 1969 zieht die Partei damit nach einer solchen Vorwahl ohne Kandidaten aus den eigenen Reihen in einen Präsidentschaftswahlkampf.
In einer ersten Reaktion bezeichnete Glucksmann die Sammlung der sozialistischen Familie und einer demokratischen Linken als seine vorrangige Aufgabe. Zugleich bekräftigte er seine Abgrenzung von La France insoumise und deren Gründer Jean-Luc Mélenchon. Diese Linie hatte den Vorwahlkampf geprägt: Mehrere Mitbewerber warben für eine breitere Zusammenarbeit innerhalb der Linken, während Glucksmann auf einer eigenständigen sozialdemokratischen Kandidatur bestand.
Faure erkannte das Ergebnis an und würdigte Glucksmanns Fähigkeit, eine Mehrheit der Teilnehmer zu überzeugen. Die deutliche Niederlage schwächt jedoch die Stellung des Parteichefs innerhalb der Sozialistischen Partei. Die Vorwahl sollte einen gemeinsamen Kandidaten eines begrenzten sozialdemokratischen Spektrums bestimmen. La France insoumise, die Grünen und die Kommunistische Partei beteiligten sich nicht.
Der klare Sieg verschafft Glucksmann Autorität im eigenen Bündnis, ersetzt aber keine Verständigung mit den übrigen Kräften links der Mitte. Er muss das Mandat aus einer parteinahen Abstimmung nun in eine landesweite Kampagne übertragen. Dabei trifft er auf eine weiterhin zersplitterte Linke, deren Parteien unterschiedliche Vorstellungen von Bündnissen, Programm und politischer Führung verfolgen.
Bei den Europawahlen 2024 hatte sich Glucksmann als Spitzenkandidat der gemeinsamen Liste von Sozialisten und Place publique profiliert. Das Ergebnis vom 11. Oktober macht ihn nun zum Präsidentschaftskandidaten dieses Bündnisses. Ein gemeinsames Mandat der gesamten französischen Linken besitzt er damit nicht.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- LCP – Assemblée nationale
- France-Vote
- Euronews
- RTL
- Public Sénat
- TV5Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).