Kultur

Goncourt-Akademie streicht Oréliens Roman nach künstliche Intelligenz-Vorwürfen

Nach Vorwürfen über den Einsatz künstlicher Intelligenz hat die Goncourt-Akademie Thélyson Oréliens Roman von ihrer Auswahlliste gestrichen. Der Autor bestreitet die Anschuldigungen.

Paris – 02.10.2026: Die Affäre um den Schriftsteller Thélyson Orélien hat eine konkrete Folge für den wichtigsten französischen Literaturpreis. Die Goncourt-Akademie strich seinen Roman "C'était ça ou mourir" von ihrer ersten Auswahlliste. Zur Begründung verwies sie auf frühere Plagiatsfälle des Autors sowie auf Analysen von Forschern und Journalisten, denen zufolge das Werk überwiegend mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sein soll.

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Beitrag des anonymen Kontos "Balance ton Claude" auf der Plattform X vom 21. September. Darin hieß es, Orélien habe für seinen Roman in erheblichem Umfang ein KI-System eingesetzt. Die Vorwürfe stützten sich zunächst auf eine Prüfung durch das Erkennungsprogramm Pangram. Solche Programme berechnen anhand sprachlicher Muster, wie wahrscheinlich ein Text von einem Sprachmodell erzeugt wurde. Einen zweifelsfreien Beleg für die Urheberschaft einzelner Passagen liefern sie jedoch nicht.

Orélien weist die Anschuldigungen zurück. Sein französischer Verlag Grasset erklärte, der Autor schreibe seit rund zwanzig Jahren und habe den ersten Entwurf des Romans bereits zwischen 2017 und 2019 verfasst. Der Verlag kritisierte die Kampagne zunächst scharf und stellte sich hinter seinen Autor. Orélien sagte der Nachrichtenagentur Agence France-Presse, die Vorwürfe zielten darauf, seine Stimme zum Schweigen zu bringen.

Mit ihrem Beschluss geht die Goncourt-Akademie über die technische Frage hinaus, ob einzelne Passagen mit einem Sprachmodell erstellt wurden. In ihrer Mitteilung bekräftigte sie ihren Anspruch, Werke menschlicher Autorinnen und Autoren auszuzeichnen. Für den laufenden Preisjahrgang zieht sie damit eine Grenze, formuliert aber noch keine allgemeine Regel für digitale Hilfsmittel. Textverarbeitung, Rechtschreibprüfung, Übersetzungsprogramme und generative Systeme greifen auf sehr unterschiedliche Weise in den Schreibprozess ein.

Für Verlage und Jurys verschärft der Fall ein praktisches Problem. Die Ergebnisse von KI-Detektoren müssen geprüft und eingeordnet werden; zugleich beruhen Verlagsverträge wesentlich auf den Angaben der Autorinnen und Autoren zur Entstehung ihrer Manuskripte. Die Kontroverse betrifft damit Lektorate und Preisgerichte ebenso wie die Transparenz gegenüber dem Publikum. Offen ist vor allem, ab welchem Umfang technischer Hilfe ein Werk nicht mehr als eigenständige literarische Arbeit gelten kann.

Die Auseinandersetzung trifft einen Roman, der zuvor zu den Erfolgen der französischen Herbstsaison zählte. "C'était ça ou mourir" erhielt den Prix du Roman Fnac 2026 und gelangte anschließend auf die erste Goncourt-Liste. Die Akademie will ihre zweite Auswahl am 6. Oktober veröffentlichen. Oréliens Buch wird darauf nicht mehr vertreten sein; der Autor bestreitet weiterhin, künstliche Intelligenz beim Schreiben eingesetzt zu haben.

Quellen

  • Franceinfo
  • Goncourt-Akademie
  • Le Monde
  • Livres Hebdo
  • Grasset
  • Agence France-Presse

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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