Paris – 27.09.2026: Die Académie Goncourt hat den Roman "C'était ça ou mourir" des kanadisch-haitianischen Autors Thélyson Orélien aus ihrer ersten Auswahl für den Prix Goncourt 2026 gestrichen. Die Entscheidung fiel am Freitag, dem 25. September, nachdem der Verdacht aufgekommen war, das erfolgreiche Debütwerk sei zu erheblichen Teilen mit künstlicher Intelligenz erstellt worden. Das am 19. August bei Grasset erschienene Buch hatte in Frankreich rasch Aufmerksamkeit gefunden.
Die Akademie verwies auf Plagiatsvorwürfe gegen Orélien und auf Analysen von Forschern und Journalisten. Nach ihrer Darstellung legen die ausgewerteten Hinweise nahe, dass der Roman wahrscheinlich in großem Umfang mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sei. Damit ist das Buch aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Die Verleihung des bedeutendsten französischen Literaturpreises ist weiterhin für den 4. November vorgesehen.
Ausgelöst wurde die Kontroverse durch Beiträge eines anonymen Kontos auf der Plattform X. Dort veröffentlichte Textauszüge waren mit dem Erkennungssystem Pangram untersucht worden. Das Programm sucht nach statistischen Merkmalen, die für maschinell erzeugte Texte typisch sein sollen. Einen unmittelbaren Beweis für den konkreten Entstehungsprozess eines Buches liefern solche Systeme jedoch nicht. Ihre Fehleranfälligkeit und die schwierige Nachprüfbarkeit der Ergebnisse gehören daher zum Kern der Auseinandersetzung.
Orélien bestreitet, den Roman von einer Maschine geschrieben haben zu lassen. Gemeinsam mit seinen französischen und kanadischen Verlagen wolle er Unterlagen zusammentragen, die seine Darstellung stützen. Schon vor der Entscheidung der Académie Goncourt hatte er die Anschuldigungen als Angriff auf seine Stimme und seine Arbeit bezeichnet. Eine unabhängige und öffentlich dokumentierte Untersuchung des gesamten Schreibprozesses liegt bislang nicht vor.
Auch unter Leserinnen und Lesern gehen die Reaktionen auseinander. Einige verteidigen das Buch aufgrund ihrer eigenen Leseerfahrung und warnen davor, automatisierte Wahrscheinlichkeitswerte als Beweise zu behandeln. Andere verlangen von Autoren und Verlagen klare Angaben darüber, ob und in welchem Umfang generative Programme bei literarischen Werken verwendet wurden. Für Jurys stellt sich damit eine praktische Frage: Nach welchen nachvollziehbaren Regeln sollen sie mit einem Verdacht umgehen, wenn die technischen Prüfverfahren selbst umstritten sind?
Grasset führt "C'était ça ou mourir" weiterhin als Werk Oréliens. Der Verlag beschreibt das Buch als Roman über Flucht und Migration der Hauptfigur Jonas Dorléon. Vor dem Ausschluss aus dem Goncourt-Verfahren war es auch für weitere französische Literaturpreise nominiert worden. Die aktuelle Entscheidung betrifft allein seine Teilnahme am Prix Goncourt; das Buch bleibt im Handel, und Orélien weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weiterhin zurück.
Quellen
- Franceinfo
- Académie Goncourt
- Le Monde
- Éditions Grasset
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).