Paris – 25.09.2026: Die Goncourt-Akademie hat den Roman "Es war das oder sterben" von Thélyson Orélien aus der ersten Auswahl für den Prix Goncourt 2026 gestrichen. Die Institution begründete ihre Entscheidung am Freitag mit dem Schutz der Integrität des Literaturpreises. Anfang September hatte das Buch noch zu den 16 ausgewählten Titeln gehört.
Der Ausschluss folgt auf Vorwürfe, der 38-jährige Autor habe beim Schreiben künstliche Intelligenz eingesetzt. Zudem geht es um mögliche Übernahmen aus bereits veröffentlichten Texten. Ob die Anschuldigungen zutreffen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Orélien weist den Einsatz künstlicher Intelligenz zurück und hat nach eigenen Angaben Unterlagen vorbereitet, die seine Darstellung stützen sollen.
"Es war das oder sterben" erschien am 19. August 2026 beim französischen Verlag Grasset. Der Roman erzählt von Jonas, einem Lehrer aus Haiti, der sich auf einer langen Fluchtroute nach Kanada befindet. Das Buch entwickelte sich rasch zu einem viel beachteten Titel der französischen Herbstsaison und erhielt am 21. September den Romanpreis der Buchhandelskette Fnac.
Angestoßen wurde die Debatte durch einen anonymen Account auf der Plattform X. Dieser veröffentlichte Ergebnisse des Erkennungsprogramms Pangram und behauptete, große Teile des Romans seien maschinell erzeugt worden. Solche Programme können allerdings nicht zweifelsfrei belegen, wie ein Text entstanden ist. Ihre Bewertungen gelten insbesondere bei nicht englischsprachigen oder stilistisch ungewöhnlichen Werken als fehleranfällig.
Grasset stellte sich zunächst hinter Orélien. Der Verlag wies die Behauptung zurück, der Roman sei mithilfe künstlicher Intelligenz geschrieben oder wesentlich durch sie ergänzt worden. Der kanadisch-haitianische Schriftsteller erklärte, er sehe keinen Grund, bei seiner Arbeit auf eine Maschine zurückzugreifen. Sein kanadischer Verlag Boréal teilte mit, die Vorwürfe ernst zu nehmen, dem Autor aber weiterhin zu vertrauen.
Mit dem Ausschluss verkleinert sich das Feld noch vor der nächsten Sitzung der Akademie am 6. Oktober. Eine weitere Auswahlrunde ist für den 27. Oktober vorgesehen, die Verleihung des bedeutendsten französischen Literaturpreises für den 3. November. Die Akademie hat mit ihrer Entscheidung nicht festgestellt, dass die Vorwürfe gegen Orélien erwiesen sind.
Der Roman stand außerdem auf der Liste für den Prix Goncourt des Lycéens. An diesem Preis beteiligen sich knapp 2.000 Schülerinnen und Schüler aus 56 Schulen. Sie lesen seit September die ursprünglich ausgewählten Bücher. Die regionalen Beratungen sind für den 23. November angesetzt, die nationale Entscheidung soll am 26. November 2026 in Rennes fallen.
Quellen
- Franceinfo
- Académie Goncourt
- Französisches Bildungsministerium
- Le Monde
- Grasset
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).