Paris – 19.09.2026: Éric Chenut, Präsident der Mutualité française, hat Abgeordnete und Senatoren aufgefordert, die Abgaben auf Krankenzusatzversicherungen zu senken. Im Gespräch mit Franceinfo warnte er, weitere Belastungen der Versicherer würden letztlich zu höheren Beiträgen für die Haushalte führen. Seine Forderung fällt in eine Phase, in der die Finanzierung der Sozialversicherung erneut politisch verhandelt wird.
Nach Chenuts Angaben summieren sich die Abgaben auf Zusatzversicherungen 2026 auf 7,5 Milliarden Euro. Vor zwanzig Jahren seien es rund 400 Millionen Euro gewesen. Zu den Belastungen gehören vor allem die Solidaritätsabgabe auf Zusatzkrankenversicherungen und eine im Finanzierungsgesetz der Sozialversicherung beschlossene Sonderabgabe. Die Einnahmen dienen unter anderem der gesetzlichen Krankenversicherung und der ergänzenden solidarischen Krankenversicherung für Menschen mit geringem Einkommen.
Die Kritik des Verbands richtet sich weniger gegen die solidarische Finanzierung des Gesundheitssystems als gegen deren Verlagerung auf die Versicherungsbeiträge. Die Mutualité française vertritt einen großen Teil der französischen Gegenseitigkeitsversicherer. Chenut argumentiert, dass diese zu ausgeglichenen Haushalten verpflichtet seien und höhere Abgaben daher kaum dauerhaft aus eigenen Mitteln tragen könnten. Besonders spürbar wären Beitragserhöhungen für Menschen mit Einzelverträgen, darunter viele Rentnerinnen und Rentner.
Das Finanzierungsgesetz der Sozialversicherung für 2026 sieht eine außerordentliche Abgabe von einer Milliarde Euro für Krankenzusatzversicherer vor. Nach parlamentarischen Unterlagen steigt die gesamte steuerliche Belastung der Branche dadurch auf mehr als 16 Prozent der Prämieneinnahmen. Befürworter begründen die Maßnahme mit dem Finanzbedarf der Sozialversicherung und der Verantwortung der Zusatzversicherer für solidarisch finanzierte Gesundheitsleistungen.
Der Streit berührt eine Besonderheit des französischen Gesundheitssystems. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt den größten Teil der Behandlungskosten. Zusatzversicherungen decken unter anderem verbleibende Eigenanteile sowie Ausgaben für Zahnersatz und Sehhilfen ab. Solche Verträge sind weit verbreitet; bei Beschäftigten werden sie häufig über den Arbeitgeber organisiert. Steigende Beiträge wirken sich deshalb unmittelbar auf viele Haushalte aus.
Chenut verlangt, stattdessen die Entwicklung der Gesundheitsausgaben stärker zu begrenzen. Der Verband nennt Prävention, eine gezieltere Steuerung medizinischer Leistungen und eine bessere Organisation der Versorgung in Regionen mit Ärztemangel als Ansatzpunkte. Zugleich wendet er sich dagegen, Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung auf private Ergänzungsverträge zu übertragen.
Das Parlament muss somit zwischen zusätzlichen Einnahmen für die Sozialversicherung und der Belastung der Versicherten abwägen. Die Größenordnung hat sich deutlich verändert: Nach Angaben der Mutualité française liegen die Abgaben mit 7,5 Milliarden Euro inzwischen fast neunzehnmal so hoch wie vor zwanzig Jahren.
Quellen
- Franceinfo
- Assemblée nationale
- Mutualité française
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).