Paris – 24.07.2026: Die französische Regierung bereitet weitere Verschiebungen bei der Finanzierung medizinischer Leistungen vor. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Stéphanie Rist sollen Zusatzversicherungen künftig einen größeren Anteil bei Krankentransporten, medizinischen Hilfsmitteln, bestimmten Arzneimitteln und zahnärztlichen Behandlungen übernehmen. Die Mutualité Française reagierte mit der Warnung, die neuen Belastungen könnten nicht ohne Folgen für die Versicherten bleiben.
Der Präsident des Dachverbands der Gegenseitigkeitsversicherungen erklärte am Freitag, für die Kassen gebe es keine unbegrenzten Finanzreserven. Wenn der Staat Ausgaben der Assurance maladie auf die ergänzende Krankenversicherung übertrage, seien Beitragserhöhungen eine naheliegende Konsequenz. Die genaue Höhe möglicher Anpassungen ist offen; sie hängt von den endgültigen Dekreten, den jeweiligen Verträgen und der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ab.
Nach den vorliegenden Informationen betreffen vier Dekretentwürfe die Erstattung von Krankentransporten, Hilfsmitteln, Medikamenten und Zahnbehandlungen. Parallel hat die Regierung angekündigt, den jährlichen Höchstbetrag der Eigenbeteiligungen für Arztkonsultationen und Medikamente von 100 auf 200 Euro anzuheben. Damit würden sowohl die Zusatzversicherer als auch ein Teil der Patienten stärker an der Finanzierung beteiligt.
Die Regierung begründet den Kurs mit dem Druck auf die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Für 2026 ist ein Anstieg der Gesundheitsausgaben um 3,1 Prozent beziehungsweise 8,2 Milliarden Euro vorgesehen. Zugleich weisen die jüngsten Daten der Assurance maladie auf eine dynamische Entwicklung einzelner Ausgabenbereiche hin. Die geplanten Maßnahmen stehen daher im Zusammenhang mit der Suche nach Einsparungen im Sozialversicherungshaushalt.
Institutionell verändert ein solcher Transfer nicht die Rolle der Zusatzversicherung als zweiter Kostenträger, verschiebt aber das Verhältnis zwischen Pflichtversicherung und privater oder beruflicher Absicherung. In Frankreich verfügen mehr als 95 Prozent der Bevölkerung über eine ergänzende Krankenversicherung. Steigende Prämien würden jedoch nicht alle Haushalte gleich treffen: Rentner und Personen mit individuellen Verträgen tragen Erhöhungen meist unmittelbarer als Beschäftigte mit arbeitgeberfinanzierten Gruppenverträgen.
Die Mutualité Française vertritt nahezu 500 Gegenseitigkeitsversicherungen und sieht in der Reform ein Zugangsrisiko für ältere Menschen sowie chronisch Kranke. Auch Patientenvertreter kritisieren, dass höhere Selbstbeteiligungen gerade Menschen mit häufigem Behandlungsbedarf stärker treffen könnten. Die Regierung verweist dagegen auf eine Begrenzung der Belastung durch jährliche Obergrenzen und auf die Notwendigkeit, unnötigen Konsum einzudämmen.
Entscheidend wird nun das weitere Verfahren bei der Caisse nationale de l'assurance maladie. Deren Stellungnahme zu den Dekreten ist beratend, besitzt aber politisches Gewicht. Vor einer Umsetzung muss die Regierung zudem klären, in welchem Umfang die Zusatzversicherer die Mehrkosten in ihren Tarifen abbilden dürfen und wie besonders schutzbedürftige Versicherte vor zusätzlichen Belastungen geschützt werden sollen.
Quellen
- Franceinfo
- MoneyVox
- Public Sénat
- Assurance maladie
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).