Paris – 22.09.2026: Oxfam France fordert vor den Beratungen über den französischen Staatshaushalt 2027 eine stärkere Besteuerung sehr großer Erbschaften. Die Organisation hat Vorschläge zur Reform des sogenannten Dutreil-Pakts vorgelegt, der die unentgeltliche Übertragung von Unternehmensvermögen steuerlich begünstigt. Nach ihren Berechnungen könnte der Staat damit mehrere Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, ohne die große Mehrheit der Begünstigten stärker zu belasten.
Kern des Vorschlags ist eine Obergrenze von einer Million Euro je Empfänger für die Steuervergünstigung. Oxfam beziffert die möglichen Mehreinnahmen auf Grundlage der Übertragungen des Jahres 2024 auf 3,5 Milliarden Euro. Zudem solle der steuerbefreite Anteil des übertragenen Vermögens von 75 auf 50 Prozent sinken. Die Vergünstigung wäre demnach auf Vermögenswerte zu beschränken, die unmittelbar der betrieblichen Tätigkeit dienen.
Der Dutreil-Pakt soll die Fortführung von Familienunternehmen nach Schenkungen oder Erbfällen erleichtern. Unter bestimmten Voraussetzungen, darunter Haltefristen und die Übernahme einer Leitungsfunktion, bleiben 75 Prozent des übertragenen Unternehmenswerts bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer außer Ansatz. Seit dem 21. Februar 2026 gelten strengere Regeln: Bestimmte Luxusgüter ohne unmittelbaren betrieblichen Zweck sind ausgeschlossen; zugleich wurde die individuelle Haltefrist von vier auf sechs Jahre verlängert.
Oxfam hält diese Korrekturen für unzureichend. Nach den von der Organisation vorgelegten Zahlen verursachte die Regelung in den vergangenen vier Jahren durchschnittliche Steuermindereinnahmen von knapp drei Milliarden Euro jährlich. Für 2024 nennt sie 5,5 Milliarden Euro. Die größten Vorteile entfielen demnach auf eine kleine Gruppe besonders vermögender Erben. Dabei handelt es sich um Berechnungen und politische Forderungen der Nichtregierungsorganisation, nicht um bereits beschlossene Haushaltsmaßnahmen.
Zusätzliche Schärfe erhält die Debatte durch eine aktuelle Analyse des französischen Rechnungshofs. Die Cour des comptes empfahl am 21. September, die Steuervergünstigung des Dutreil-Pakts zu verringern. Sie hält dessen Effizienz im Verhältnis zu den Kosten für gering und sieht eine starke Begünstigung hoher Vermögen. Nach ihrer Darstellung profitieren jedes Jahr vor allem rund hundert besonders wohlhabende Haushalte von der Regelung.
Die Kontroverse berührt zwei Ziele französischer Steuerpolitik: Familienunternehmen sollen auch nach einem Eigentümerwechsel fortbestehen können, zugleich sollen große Vermögensübertragungen angemessen besteuert werden. Oxfam schlägt deshalb außerdem eine Beschäftigungsgarantie für größere Unternehmen vor, deren Eigentümer die Vergünstigung nutzen. Die Entlastung wäre damit an den Erhalt von Arbeitsplätzen gebunden.
Der Vorstoß fällt in eine Phase angespannter Staatsfinanzen. Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu will ihren Haushaltsentwurf für 2027 Ende September vorlegen. Lecornu hatte bislang erklärt, den Dutreil-Pakt nicht ändern zu wollen. Über die endgültige Ausgestaltung des Haushalts entscheidet anschließend das Parlament.
Quellen
- Franceinfo
- Oxfam France
- Cour des comptes
- Französische Steuerverwaltung
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).