Moskau – 14.08.2026: Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag erstmals die Insel Iturup im südlichen Teil der Kurilen besucht. Die von Moskau kontrollierte Insel heißt in Japan Etorofu und gehört zu vier Inselgruppen, die Tokio als eigenes Hoheitsgebiet beansprucht. Das japanische Außenministerium bestellte den russischen Botschafter Nikolai Nosdrew ein und legte offiziell Protest gegen die Reise ein.
Putin besichtigte auf Iturup einen Fischverarbeitungsbetrieb, ein Krankenhaus und eine Schule. Zudem traf er Einwohner und den Gouverneur der Region Sachalin, Waleri Limarenko. Der Besuch war Teil einer Reise durch den russischen Fernen Osten. Zuvor hatte Putin auf Sachalin den Abschluss eines Manövers der Pazifikflotte verfolgt. Seine Präsenz auf der Insel verschafft dem seit Jahrzehnten ungelösten Territorialkonflikt neue politische Aufmerksamkeit.
Japan beansprucht Iturup, Kunashir, Schikotan und die Habomai-Inselgruppe, die in Tokio als Nordterritorien bezeichnet werden. Die Sowjetunion übernahm in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs 1945 die Kontrolle über die Inseln. Russland betrachtet sie als Teil der damaligen Nachkriegsordnung und als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets. Beide Seiten halten an ihren gegensätzlichen Rechtsauffassungen fest.
Der Konflikt hat eine bis heute fortwirkende diplomatische Folge: Russland und Japan schlossen keinen Friedensvertrag, der den Zweiten Weltkrieg formell beendet hätte. Zwar nahmen beide Staaten 1956 wieder diplomatische Beziehungen auf. Die anschließenden Verhandlungen über einen Friedensvertrag und den territorialen Status der Inseln blieben jedoch ohne Ergebnis. Moskau setzte die Gespräche im März 2022 aus, nachdem Japan wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine Sanktionen verhängt hatte.
Putin erklärte während seiner Reise, der heutige Status der Kurilen sei in internationalen Dokumenten als Folge des Zweiten Weltkriegs festgeschrieben. Russland sei früher zu einer Lösung bereit gewesen, um einen Friedensvertrag mit Japan zu ermöglichen. Die russische Botschaft in Tokio wies den Protest zurück: Reisen der russischen Führung innerhalb des eigenen Staatsgebiets seien keine Angelegenheit anderer Staaten.
Tokio vertritt hingegen die Position, die vier südlichsten Inseln seien historisch und völkerrechtlich japanisches Territorium. Nach Angaben des japanischen Außenministeriums wurden sie von der Sowjetunion zwischen Ende August und Anfang September 1945 besetzt. Der Streit betrifft somit nicht den gesamten Kurilenbogen, sondern dessen südlichsten Abschnitt nahe der japanischen Insel Hokkaido.
Das bilaterale Verhältnis ist seit 2022 durch Sanktionen, russische Gegenmaßnahmen und den Abbruch von Austauschformaten zusätzlich belastet. Schon Besuche russischer Regierungsmitglieder auf den Inseln hatten Proteste in Tokio ausgelöst. Putins Reise hebt den Konflikt nun auf die Ebene des Staatsoberhaupts; an den territorialen Positionen beider Länder und am Fehlen eines Friedensvertrags ändert sie nichts.
Quellen
- Franceinfo
- Associated Press
- Japanisches Außenministerium
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).