Paris – 12.08.2026: Ryusuke Hamaguchis neuer Film "Soudain" startet an diesem Mittwoch in den französischen Kinos. Das dreistündige Drama führt die belgisch-französische Schauspielerin Virginie Efira mit der japanischen Darstellerin Tao Okamoto zusammen. Zwischen Frankreich und Japan erzählt es von einer Begegnung, die um Pflege, Krankheit und die Mühen sprachlicher Verständigung kreist. Hamaguchi, bekannt durch "Drive My Car", bleibt damit seinem Kino des aufmerksamen Zuhörens treu.
Efira spielt Marie-Lou Fontaine, die Leiterin einer Einrichtung für ältere Menschen. Gegen Widerstände im eigenen Team versucht sie, einen Pflegeansatz durchzusetzen, der auf Blickkontakt, Ansprache, Berührung und der Würde der Bewohner beruht. Die als Humanitude bekannte Methode richtet sich besonders an Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Hamaguchi macht daraus kein sozialpolitisches Lehrstück. Er beobachtet vielmehr den Alltag einer Frau, die Zeit und Zuwendung gegen betriebliche Routinen verteidigt.
Die Handlung weitet sich, als Marie-Lou der japanischen Theaterautorin Mari begegnet, die an Krebs erkrankt ist. Aus dem ersten Gespräch wächst eine Freundschaft, die sich zwischen Paris und Kyoto fortsetzt. Beide Frauen wechseln zwischen Französisch und Japanisch. Sprache ist hier kein wohlfeiles Zeichen internationaler Verständigung, sondern Arbeit: ein vorsichtiges Tasten, bei dem jedes Wort auch die Distanz zur anderen Person erkennen lässt.
Hamaguchi hob in einem Gespräch mit Franceinfo besonders Efiras sprachliche Vorbereitung hervor. Das Niveau, das sie im Japanischen erreicht habe, sei erstaunlich. Bemerkenswert ist ihre Leistung gerade deshalb, weil sie nicht als virtuoses Gastspiel erscheint. Ihre Figur sucht nach Formulierungen, stockt, hört hin und findet allmählich einen eigenen Ton. Diese Unsicherheit verleiht den Dialogen Ernst und Zartheit.
"Soudain", international unter dem Titel "All of a Sudden" geführt, beruht auf einem Briefwechsel der Philosophin Makiko Miyano und der medizinischen Anthropologin Maho Isono. Hamaguchi schrieb das Drehbuch mit Lea Le Dimna und formte die Vorlage für die europäisch-japanische Koproduktion grundlegend um. Aus Korrespondenz wird Begegnung; an die Stelle des rein gedanklichen Austauschs treten Körper, Blicke, Pausen und der widerständige Alltag einer Pflegeeinrichtung.
Bei den Filmfestspielen von Cannes im Mai erhielten Efira und Okamoto gemeinsam den Preis für die beste weibliche Darstellung. Efira verankert Marie-Lou in ruhiger beruflicher Entschlossenheit, Okamoto verleiht Mari eine fragile, zugleich unbeirrbare geistige Wachheit. Hamaguchi verzichtet auf große Effekte und setzt stattdessen auf lange Einstellungen, in denen Gedanken Zeit bekommen.
Die Laufzeit von rund drei Stunden und sechzehn Minuten verlangt dem Publikum Geduld ab. Sie entspricht jedoch der Haltung des Films: Pflege, Krankheit und Freundschaft lassen sich nicht beschleunigen, ohne Wesentliches preiszugeben. "Soudain" endet bei der Überzeugung, dass ein ernsthaft geführtes Gespräch selbst zum Ereignis werden kann.
Quellen
- Franceinfo
- Diaphana Distribution
- Festival de Cannes
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).