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Trump greift Museen an – Kulturkampf um Amerikas Geschichtsbilder

Mit einem präsidialen Dekret versucht Donald Trump Einfluss auf staatliche Museen in Washington zu nehmen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat schärft damit sein kulturpolitisches Profil – und trifft einen Nerv im gespaltenen Amerika. Am 27. März hat Donald Trump einen neuen Exekutiverlass unterzeichnet, der sich gegen die aus seiner Sicht ideologisch gefärbte Darstellung der amerikanischen Geschichte in…

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Mit einem präsidialen Dekret versucht Donald Trump Einfluss auf staatliche Museen in Washington zu nehmen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat schärft damit sein kulturpolitisches Profil – und trifft einen Nerv im gespaltenen Amerika.

Am 27. März hat Donald Trump einen neuen Exekutiverlass unterzeichnet, der sich gegen die aus seiner Sicht ideologisch gefärbte Darstellung der amerikanischen Geschichte in den Smithsonian-Museen richtet. Die Institutionen der US-Hauptstadt würden laut Trump zunehmend zum Ort eines „ideologischen Endoktrinierens“, bei dem historische Fakten durch eine „verzerrte Erzählung“ ersetzt würden. Damit richtet sich der republikanische Politiker gegen einen Teil jener Erinnerungskultur, die sich in den USA nach den Protesten der Black-Lives-Matter-Bewegung etabliert hat – und schürt zugleich die Kulturkämpfe in der amerikanischen Gesellschaft.

Kontrolle über die Erinnerungskultur

Die Smithsonian Institution, die mehrere Museen sowie den National Zoo umfasst, ist eine traditionsreiche, öffentlich finanzierte Einrichtung mit nationaler Strahlkraft. Besonders das 2016 eröffnete National Museum of African American History and Culture steht im Fokus konservativer Kritik, da es Fragen von Rassismus, Sklaverei und Diskriminierung in den Mittelpunkt stellt – Themen, die Trump in seiner Deklaration als „revisionistische Geschichtsschreibung“ bezeichnet.

Der neue Erlass beauftragt Vizepräsident J. D. Vance, ein Vertrauter Trumps und prominente Figur der amerikanischen Rechten, mit der Überprüfung von Inhalten, Ausstellungen und Programmen, die nach Ansicht der Regierung „amerikanische Werte entehren“ oder die Gesellschaft entlang rassischer Linien spalten. Künftig sollen keine Bundesmittel mehr für Projekte fließen, die dieser Überprüfung nicht standhalten.

Die Formulierung des Dekrets bleibt dabei vage – was als „unangemessene Ideologie“ gilt, bleibt Definitionssache. In der politischen Praxis aber zielt der Vorstoß deutlich auf antirassistische Bildungsprogramme und die sogenannte „Critical Race Theory“ (CRT), ein ursprünglich akademisches Konzept zur Untersuchung struktureller Diskriminierung, das in den konservativen Medien zum Schlagwort geworden ist.

Ein bekanntes Muster

Trump knüpft mit diesem Schritt an seine bereits während seiner ersten Amtszeit begonnenen Versuche an, kulturpolitische Deutungsmacht zu erhalten. Bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2020 hatte er angekündigt, Lehrinhalte an Schulen zu überprüfen und die finanzielle Förderung solcher Einrichtungen zu beenden, die CRT oder ähnliche Konzepte unterstützen. Auch gründete Trump in seinem letzten Amtsjahr eine „1776-Kommission“, die ein patriotisches Geschichtsbild propagieren sollte – als Gegenstück zum kritischen „1619 Project“ der „New York Times“, das die Geschichte der Sklaverei in den Mittelpunkt rückt. Die Kommission wurde unter Präsident Joe Biden jedoch rasch wieder aufgelöst.

Im aktuellen Erlass geht Trump noch weiter: Das US-Regierungsapparat wird beauftragt zu untersuchen, ob seit 2020 Denkmäler oder Statuen unter föderaler Zuständigkeit entfernt oder verändert wurden – insbesondere jene, die in den Kontext rassismuskritischer Proteste fielen. Falls dem so sei, sollen diese Denkmäler wiederhergestellt werden. Damit greift Trump die symbolischen Konsequenzen der Black-Lives-Matter-Bewegung direkt an – die Entfernung konföderierter Generäle aus dem öffentlichen Raum, die Umbenennung von Schulen und Militärbasen.

Der Kulturkampf als Wahlkampfthema

Diese Intervention in die Erinnerungspolitik ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil eines kalkulierten Kulturkampfs. Die Republikanische Partei unter Trump hat in den letzten Jahren ihre Identität verstärkt auf die Abwehr liberaler und progressiver Strömungen ausgerichtet, insbesondere in Fragen von Rassismus, Gender und Bildung. Die Forderung nach einem „neutralen“ oder „patriotischen“ Geschichtsbild dient dabei als Instrument zur Mobilisierung konservativer Wählerkreise, insbesondere in den ländlichen Bundesstaaten.

Jüngste Umfragen zeigen, dass Themen wie Geschichtsunterricht, „Wokeness“ und kulturelle Identität bei republikanischen Wählern hohe Priorität genießen. Der Vorstoß gegen „ideologische Ausstellungen“ in Museen ist daher nicht nur kulturpolitisch motiviert, sondern folgt einer strategischen Logik: Die vermeintliche Verteidigung nationaler Werte soll die konservative Basis einen und zugleich progressive Kreise diskreditieren.

Die Smithsonian-Institution unter Druck

Die Smithsonian-Museen stehen nun vor einer heiklen Situation. Als öffentlich finanzierte Einrichtungen sind sie auf politische Rückendeckung angewiesen – sollen jedoch gleichzeitig wissenschaftlich unabhängig agieren. Der Versuch, einzelne Inhalte oder Ausstellungen auf politischem Wege zu beeinflussen, stellt diese Unabhängigkeit in Frage.

Insbesondere das Afroamerikanische Museum wird durch Trumps Initiative erneut zum Zankapfel. Kritiker werfen Trump vor, damit die historischen Realitäten von Rassismus und Diskriminierung zu relativieren und die Perspektiven von Minderheiten aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.

Auch in Fachkreisen stößt das Dekret auf Ablehnung. Die American Historical Association warnte bereits in der Vergangenheit vor politischen Eingriffen in museale oder schulische Geschichtsvermittlung. Die Gefahr bestehe darin, dass Geschichte zum politischen Werkzeug werde – mit der Konsequenz, dass komplexe Zusammenhänge simplifiziert oder sogar verzerrt dargestellt werden.

Der historische Umgang mit Rassismus, Sklaverei und Kolonialismus bleibt ein umkämpftes Terrain in den Vereinigten Staaten. Trumps neuester Erlass fügt sich ein in ein politisches Klima, in dem Identitätsfragen und Erinnerungskultur zu zentralen Konfliktfeldern avanciert sind.

Von Andreas Brucker

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