Paris – 29.09.2026: Jordan Bardella hat die gegen ihn erhobenen Antisemitismusvorwürfe entschieden zurückgewiesen. Der Vorsitzende des Rassemblement National sprach von den Anfängen eines umfassenden Angriffs auf seine Partei. Er reagierte damit auf eine Recherche von Mediapart, die ihm antisemitische Nachrichten aus dem Jahr 2013 zuschreibt. Bardella bestreitet, die Mitteilungen verfasst zu haben, und bezeichnet die Vorwürfe als politische Manipulation.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP will Bardella mehrere Klagen gegen das Investigativmedium einreichen. Geplant seien ein Verfahren wegen Verleumdung und, sollten schriftliche Belege veröffentlicht worden sein, eine Klage wegen Fälschung und des Gebrauchs gefälschter Dokumente. Vor den Abgeordneten seiner Partei in der Nationalversammlung erklärte Bardella, seine politische Laufbahn solle gezielt beschädigt und der nächste Präsidentschaftswahlkampf destabilisiert werden.
Mediapart berichtet über Nachrichten, die Bardella als junger Aktivist des damaligen Front National verfasst haben soll. Sie sollen antisemitische Stereotype und Verschwörungserzählungen enthalten. Ihre Echtheit ist bislang nicht gerichtlich festgestellt. In der angekündigten juristischen Auseinandersetzung dürfte es daher vor allem um Herkunft, Authentizität und Veröffentlichung der Dokumente gehen.
Marine Le Pen stellte sich demonstrativ hinter den Parteivorsitzenden und versicherte ihm ihr volles Vertrauen. Zugleich kündigte sie eine politische Reaktion an. Eine scharf formulierte Bemerkung Le Pens über Mediapart löste ihrerseits Kritik aus. Die grüne Abgeordnete Léa Balage erklärte, sie wolle die Justiz einschalten, weil sie darin eine Äußerung sehe, die einer Todesdrohung ähnele. Mediapart sprach von einer erschreckenden Aggressivität der extremen Rechten.
Die Affäre berührt einen empfindlichen Punkt in der Strategie des Rassemblement National. Seit ihrer Übernahme der Partei im Jahr 2011 versucht Le Pen, diese als regierungsfähig darzustellen und vom politischen Erbe ihres Vaters Jean-Marie Le Pen abzugrenzen. Dessen wiederholte Relativierungen der nationalsozialistischen Judenvernichtung führten zu mehreren Verurteilungen und prägen die Wahrnehmung der Partei bis heute.
Zusätzlichen Druck erzeugt der Zeitpunkt der Vorwürfe. Erst am Vortag hatte die extreme Rechte bei den Senatswahlen ein historisches Ergebnis erzielt, das ihr erstmals die Bildung einer eigenen Fraktion in der zweiten Parlamentskammer ermöglichen soll. Le Pen wollte den Erfolg als weiteren Schritt auf dem Weg zur Macht präsentieren. Nun gerät die Glaubwürdigkeit ihrer Normalisierungsstrategie erneut in die politische Auseinandersetzung.
Vertreter der Linken und der bürgerlichen Rechten forderten Konsequenzen. Die Grünenvorsitzende Marine Tondelier verlangte Bardellas Rücktritt von allen Ämtern. Manuel Bompard von La France insoumise erklärte, Bardella könne keine zentrale Rolle im politischen Leben Frankreichs beanspruchen. Bardella weist die zugrunde liegenden Anschuldigungen vollständig zurück; über die angekündigten Klagen ist bislang nicht entschieden.
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Boursorama
- Mediapart
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).