Paris – 29.09.2026: Der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, hat Vorwürfe antisemitischer und verschwörungsideologischer Äußerungen entschieden zurückgewiesen. Das Investigativmedium Mediapart veröffentlichte am 28. September eine Recherche über private schriftliche Gespräche, die Bardella zugeschrieben werden und aus den Jahren 2013 bis 2015 stammen sollen. Bardella bezeichnete die Dokumente als grobe Fälschungen und kündigte rechtliche Schritte an.
Mediapart erklärt, Dutzende private Nachrichten überprüft und frühere Parteimitglieder als Zeugen befragt zu haben. Die veröffentlichten Passagen enthalten nach Darstellung des Mediums antisemitische Stereotype sowie verschwörungsideologische Behauptungen über Banken, Israel und politische Eliten. Ob die Nachrichten authentisch sind, ist jedoch umstritten; eine gerichtliche Klärung liegt bislang nicht vor.
Bardella sagte dem Sender CNews, die ihm zugeschriebenen Aussagen stammten nicht von ihm. Er sprach von einer über Monate vorbereiteten Kampagne zu seiner politischen Beschädigung. Sein Anwalt stellte eine Klage wegen Fälschung und Verleumdung in Aussicht. Marine Le Pen bezeichnete die Vorwürfe als unglaubwürdig, erklärte allerdings, die Recherche zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelesen zu haben.
Die Führung des Rassemblement National stellte sich geschlossen hinter ihren Vorsitzenden. Damit bindet sie ihre politische Glaubwürdigkeit an Bardellas Dementi. Seine Gegner bewerten die Vorwürfe als äußerst schwerwiegend und verlangen Aufklärung über die Herkunft und Echtheit der Dokumente. Da der Rassemblement National in Umfragen zur Präsidentschaftswahl 2027 vorn liegt, reicht die Auseinandersetzung über Bardellas persönliche Verantwortung weit über eine innerparteiliche Affäre hinaus.
Politisch berührt der Vorgang die seit Jahren betriebene Strategie, den Rassemblement National als bürgerlich wählbare Kraft zu etablieren. Marine Le Pen ließ den früheren Front National umbenennen und versuchte, die Partei vom Erbe ihres Vaters Jean-Marie Le Pen abzugrenzen. Der Parteigründer war mehrfach wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen verurteilt worden; er starb im Januar 2025.
Die Recherche betrifft eine frühe Phase von Bardellas politischer Laufbahn. Nach Angaben von Mediapart entstanden die Nachrichten zu einer Zeit, als er sein Engagement im damaligen Front National begann. Bardella wurde im September 2013 volljährig und übernahm ein Jahr später eine Führungsfunktion der Partei im Département Seine-Saint-Denis. Heute zählt er zu den einflussreichsten Politikern der französischen Rechten.
Auch der Repräsentative Rat der jüdischen Institutionen Frankreichs reagierte auf die Veröffentlichung. Sollten sich die Angaben bestätigen, wären sie nach Auffassung des Verbandes ein schwerer Rückschlag für die Normalisierungsstrategie des Rassemblement National. Vorerst stehen die Darstellung von Mediapart und Bardellas Dementi einander gegenüber.
Quellen
- Franceinfo
- Reuters via Boursorama
- Le Monde
- Mediapart
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).