Die französische Presse zeichnet am Sonntag das Bild einer Mobilisierung gegen die hohen Lebenshaltungskosten, die vielerorts von organisierten Gewaltgruppen überlagert wurde. Innenminister Laurent Nuñez meldet inzwischen mehr als 2.000 Festnahmen; die Behörden hatten zuvor von zahlreichen verletzten Polizisten und Gendarmen gesprochen. In Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux und Limoges wurden Geschäfte geplündert, öffentliche Gebäude attackiert oder in Brand gesetzt.
Die Städte verlangen nun Antworten vom Staat. Die Bürgermeister von Paris, Marseille und Lyon wollen nach Medienberichten von Premierminister Sébastien Lecornu empfangen werden. In Marseille drangen Gruppen in das Rathaus ein und griffen ein Polizeigebäude an; in Lyon brannte ein Büro der Touristeninformation an der Place Bellecour. Die Schäden betreffen damit Einrichtungen, die den Alltag und die kommunale Infrastruktur unmittelbar prägen.
Die Debatte richtet sich zugleich auf den Polizeieinsatz. Laurent Nuñez verteidigte die Vorbereitung der Sicherheitskräfte, während mehrere Kommunalpolitiker eine unzureichende Absicherung beklagen. Emmanuel Macron will sich um 20 Uhr an die Franzosen wenden; seine Ansprache fällt in eine Lage, in der die ursprünglichen sozialen Forderungen von den Bildern der Ausschreitungen verdrängt werden.