Korsika – 07.08.2026: Eine geheime Pressekonferenz des Front de libération nationale corse (FLNC) hat auf Korsika neue Besorgnis ausgelöst. Nach den am Freitag bekannt gewordenen Angaben richtete die Untergrundorganisation scharfe Drohungen gegen Menschen, die vom französischen Festland oder aus dem Ausland auf die Insel gezogen sind. Konkrete Gewalttaten im Zusammenhang mit der Erklärung wurden zunächst nicht gemeldet.
Der FLNC wendet sich zugleich gegen das geplante Autonomiestatut für Korsika, das ihm nicht weit genug geht. Die Organisation fordert seit Jahrzehnten die Loslösung vom französischen Staat oder eine umfassendere Selbstbestimmung. Ihre jüngsten Äußerungen treffen eine Insel, auf der Wohnraummangel, Zweitwohnsitze, steigende Grundstückspreise und der Schutz der korsischen Sprache seit Langem für politische Konflikte sorgen.
Die Nationalversammlung hatte am 23. Juni 2026 einem Verfassungsentwurf für ein autonomes Korsika innerhalb der Republik zugestimmt. Der Text soll der Collectivité de Corse zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, bestimmte Gesetze anzupassen und eigene Normen zu erlassen. Viele gewählte Vertreter der Insel betrachten dies als wichtigen institutionellen Schritt. Radikale Unabhängigkeitsbefürworter lehnen den Entwurf hingegen als unzureichend ab.
Die Drohungen stehen außerhalb der parlamentarischen Auseinandersetzung. Der FLNC ist keine Partei, sondern agiert aus dem Untergrund. Seine Erklärungen und Anschläge haben die jüngere Geschichte Korsikas geprägt. In den vergangenen Jahren wurden wiederholt Angriffe auf überwiegend unbewohnte Gebäude und Zweitwohnsitze bekannt. Hinweise darauf, dass die aktuelle Erklärung bereits mit neuen Gewalttaten verbunden wäre, liegen bislang nicht vor.
Für Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht auf Korsika geboren wurden, ist die Wortwahl besonders belastend. In Teilen der politischen Debatte werden Zugezogene mit der Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt und einer umstrittenen Flächennutzung in Verbindung gebracht. Einzelnen Familien, Angestellten oder Selbstständigen lässt sich daraus jedoch keine persönliche Verantwortung zuschreiben. Wo soziale Konflikte ethnisch oder geografisch aufgeladen werden, wächst die Gefahr gezielter Einschüchterung.
Bis Freitagmorgen hatten Polizei und Justiz nicht öffentlich mitgeteilt, ob wegen der Äußerungen Ermittlungen aufgenommen wurden. Auch Ort, Teilnehmerkreis und Ablauf der geheimen Pressekonferenz waren behördlich nicht bestätigt. Daher lässt sich nicht beurteilen, ob die Erklärung über ihre einschüchternde Wirkung hinaus eine konkrete operative Ankündigung enthält.
Der Vorgang fällt in die sommerliche Hochsaison, in der Korsika besonders viele Reisende und Saisonbeschäftigte aufnimmt. Zugleich setzt das Parlament seine Beratungen über die künftigen Befugnisse der Insel fort. Der vorliegende Verfassungsentwurf hält ausdrücklich an Korsikas Stellung innerhalb der Französischen Republik fest.
Quellen
- Franceinfo, Podcast-Überblick vom 07.08.2026
- Assemblée nationale, Dossier zum Verfassungsentwurf für ein autonomes Korsika
- LCP – Assemblée nationale, Bericht zur Abstimmung vom 23.06.2026
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).