Paris – 12.10.2026: Raphaël Glucksmann ist zum Kandidaten der französischen sozialdemokratischen Linken für die Präsidentschaftswahl 2027 gewählt worden. Der Europaabgeordnete und Ko-Vorsitzende von Place publique erhielt im ersten Wahlgang 79.613 Stimmen. Das entsprach 66,13 Prozent der insgesamt 120.787 gültigen Stimmen. Eine Stichwahl wurde damit überflüssig.
Glucksmann setzte sich deutlich gegen Olivier Faure, den Ersten Sekretär des Parti socialiste, durch. Faure kam auf 14 Prozent. Die übrigen Bewerber Ségolène Royal, Jérôme Guedj und Emmanuel Maurel blieben jeweils unter zehn Prozent. Die Abstimmung gehörte zum Verfahren "Choisir 2027", das der Parti socialiste und Place publique vereinbart hatten. Neben Parteimitgliedern konnten auch registrierte Unterstützer teilnehmen.
Das Onlinevotum hatte am 9. Oktober begonnen. Nach technischen Angriffen auf die Wahlplattform verlängerten die Organisatoren die Abstimmung bis Sonntagabend. Nach Angaben des Parti socialiste stellten Fachleute keine Beeinträchtigung der bereits abgegebenen Stimmen fest. Die Wahlkommission unter Leitung des früheren Abgeordneten Patrick Mennucci erklärte die Abstimmung nach Ablauf der verlängerten Frist für gültig.
Der 46-jährige Glucksmann erhält damit ein starkes Mandat innerhalb des sozialdemokratischen Spektrums. Er hatte seine Kandidatur mit dem Versprechen verbunden, die demokratische Linke zu sammeln und einen Sieg der extremen Rechten zu verhindern. Bei der Europawahl 2024 erreichte die gemeinsame Liste von Place publique und Parti socialiste unter seiner Führung 13,8 Prozent. Seither beansprucht er eine führende Rolle im gemäßigten Teil der französischen Linken.
Die Vorwahl löst allerdings deren zentrales Bündnisproblem nicht. La France insoumise von Jean-Luc Mélenchon beteiligte sich nicht an dem Verfahren. Glucksmann lehnt ein Bündnis mit der linksradikalen Partei ab. Innerhalb der übrigen Linken ist dagegen umstritten, ob eine Zusammenarbeit bei der Präsidentschaftswahl oder bei späteren Parlamentswahlen dennoch nötig wäre. Auch Grüne, Kommunisten und weitere linke Gruppierungen trugen die Vorwahl nicht mit.
Für den Parti socialiste ist das Ergebnis ein strategischer Einschnitt. Faure unterlag dem Bewerber einer kleineren Partnerpartei klar, obwohl die Sozialisten die organisatorische Grundlage der Abstimmung stellten. Er erkannte Glucksmanns Sieg an und bezeichnete ihn als gewählten Kandidaten der beteiligten Parteien.
Die Präsidentschaftswahl ist für April und Mai 2027 vorgesehen. Bis dahin muss Glucksmann die Unterstützer seiner unterlegenen Konkurrenten gewinnen und Strukturen aufbauen, die über Place publique und den Parti socialiste hinausreichen. Sein Ausgangspunkt sind 79.613 Stimmen aus der Vorwahl.
Quellen
- Le Monde
- LCP – Assemblée nationale
- Parti socialiste
- Place publique
- Euronews
- TV5Monde
- RTL
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).