Bangkok – 14.10.2026: Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat Frankreich zu einer glaubwürdigen Korrektur seiner Staatsfinanzen aufgefordert. Bei einer Pressekonferenz am Rande der Jahrestagung des Fonds in Bangkok sagte sie, Paris bemühe sich um einen Haushalt, der Defizit und Verschuldung auf einen sinkenden Pfad bringe. Bis die öffentlichen Finanzen wieder ein Niveau erreichten, das Bürgern und Investoren Vertrauen vermittle, werde es jedoch dauern.
Die Warnung trifft Frankreich in einer politisch heiklen Phase der Haushaltsberatungen. Für den Staatshaushalt 2027 verfügt die Regierung in der Nationalversammlung über keine gesicherte Mehrheit. Damit wird es schwieriger, Ausgabenkürzungen oder zusätzliche Einnahmen zu beschließen, die für eine dauerhafte Konsolidierung nötig wären. Nach den bisherigen Planungen soll das öffentliche Defizit 2027 auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt werden.
Bereits im Sommer hatte der IWF Frankreich einen geringen finanzpolitischen Spielraum bescheinigt. Nach seiner jüngsten Länderanalyse sank das Staatsdefizit 2025 auf 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2026 erwartet der Fonds allerdings wieder 5,2 Prozent. Die Bruttostaatsverschuldung dürfte nach seinen Projektionen von 115,7 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 auf 118,5 Prozent 2026 und 120,3 Prozent 2027 steigen.
Frankreich liegt damit deutlich über der europäischen Referenzmarke von 60 Prozent für den Schuldenstand und der Defizitgrenze von drei Prozent. Die französischen Behörden wollen das Defizit bis 2029 wieder unter diese Schwelle bringen. Dafür verlangt der IWF einen klaren, mehrjährigen Kurs. Er empfiehlt Ausgabendisziplin, effizientere öffentliche Leistungen und Strukturreformen, die das ohnehin schwache Wachstum möglichst wenig belasten.
Politisch ist dieser Kurs schwer durchzusetzen, weil zugleich die Ausgabenansprüche steigen. Der Fonds verweist auf die Kosten der alternden Gesellschaft, höhere Verteidigungsausgaben, Energiefragen sowie die ökologische und digitale Modernisierung. Frankreichs öffentliche Ausgaben beliefen sich 2025 auf 57,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, den höchsten Anteil in der Eurozone. Zugleich zählt die Abgabenquote bereits zu den höchsten im Währungsraum. Breite Steuererhöhungen bieten daher nur begrenzten Spielraum und dürften auf erheblichen gesellschaftlichen Widerstand stoßen.
Georgievas Äußerung ist keine Warnung vor einer unmittelbar bevorstehenden Finanzkrise. Der IWF hält das französische Bankensystem weiterhin für widerstandsfähig. Die schwache Konjunktur erschwert jedoch die Sanierung der Staatsfinanzen: Für 2026 erwartet der Fonds lediglich 0,6 Prozent reales Wirtschaftswachstum. Bleiben Defizite und Zinskosten hoch, wächst die Schuldenlast selbst dann weiter, wenn Paris erste Sparbeschlüsse durchsetzt.
Quellen
- Franceinfo: Bericht zur Warnung des Internationalen Währungsfonds, 14. Oktober 2026
- Internationaler Währungsfonds: Pressekonferenz zur globalen wirtschaftspolitischen Agenda, 14. Oktober 2026
- Internationaler Währungsfonds: Artikel-IV-Konsultation für Frankreich, 22. Juli 2026
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).