Paris – 12.09.2026: Der Rassemblement National will seine politische Präsenz in den französischen Vorstädten ausbauen. Nach Angaben von Franceinfo verfolgt die Parteiführung das Ziel, alle gesellschaftlichen Räume zu besetzen und sämtliche Wählergruppen anzusprechen. Gemeint sind vor allem die dicht besiedelten Quartiere am Rand der Metropolen, die in Frankreich meist als quartiers populaires bezeichnet werden und bislang nicht zu den Hochburgen der Partei zählen.
Der Vorstoß gehört zur Strategie, den Rassemblement National dauerhaft als landesweit verankerte Kraft zu etablieren. Seit Jahren versucht die Partei, ihre Wählerbasis über ländliche Gebiete, kleinere Städte und ehemalige Industrieregionen hinaus zu erweitern. In den Vorstädten reicht es dafür nicht, während nationaler Wahlkämpfe mit einigen bekannten Themen präsent zu sein. Nötig wären lokale Kandidaten, belastbare Parteistrukturen und eine kontinuierliche Arbeit in Gemeinden und Nachbarschaften. Gerade daran fehlte es vielerorts bisher.
Die Wahlergebnisse zeigen, wie schwierig dieses Vorhaben ist. In der ersten Runde der Parlamentswahl 2024 erreichten der Rassemblement National und seine Verbündeten in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern laut einer Auswertung von Le Monde 17,7 Prozent. In Gemeinden mit 50.000 bis 200.000 Einwohnern waren es 24 Prozent, verglichen mit 33,2 Prozent im landesweiten Durchschnitt. Besonders begrenzt blieb der Zuwachs in den Zentren großer Metropolen.
In vielen sozial benachteiligten Stadtteilen trifft die Partei zudem auf eine starke linke Verankerung. La France insoumise erzielt dort häufig überdurchschnittliche Ergebnisse, während die Wahlbeteiligung vielfach niedrig ist. Der Rassemblement National müsste daher zugleich Nichtwähler mobilisieren und Menschen überzeugen, deren Erfahrungen mit öffentlicher Infrastruktur, sozialer Ungleichheit und Diskriminierung sich von denen seines bisherigen Kernmilieus unterscheiden.
Inhaltlich setzt die Partei auf Sicherheit, die Bekämpfung des Drogenhandels, öffentliche Ordnung und Kritik an der staatlichen Stadtpolitik. Diese Schwerpunkte sind nicht neu. Verändert hat sich der Anspruch, sie mit einer dauerhaften lokalen Ansprache zu verbinden. Stellungnahmen der Partei zu Gewalttaten und anderen Vorfällen in einzelnen Vierteln dienen dabei als Mittel, um vor Ort sichtbarer zu werden.
Doch die angestrebte Ausweitung stößt an programmatische Grenzen. In Vierteln mit vielen Einwohnern, deren Familien eine Einwanderungsgeschichte haben, können zentrale Positionen des Rassemblement National auf deutliche Ablehnung treffen. Die jüngste Debatte über ein Verbot islamischer Kopftücher im öffentlichen Raum hat diesen Widerspruch offengelegt. Die Partei sucht neue Wähler, ohne jene politischen Forderungen aufzugeben, die ihren Zugang zu diesen Milieus erschweren.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Rassemblement National
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).