Paris – 09.09.2026: Der Streit über einen teilweisen Erlass französischer Staatsschulden hat eine alte Debatte neu belebt: Ist der sogenannte Wirtschaftsnobelpreis überhaupt ein Nobelpreis? Jean-Luc Mélenchon hatte die Auszeichnung des Ökonomen Philippe Aghion heruntergespielt, nachdem dieser Mélenchons Vorschlag kritisiert hatte, einen Teil der von Zentralbanken gehaltenen französischen Staatsschulden zu streichen. Formal beruft sich Mélenchon auf einen tatsächlichen Unterschied. Seine Abwertung des Preises führt jedoch in die Irre.
Der vollständige Name lautet Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an Alfred Nobel. Anders als die Auszeichnungen für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden geht er nicht auf Nobels Testament von 1895 zurück. Die schwedische Zentralbank stiftete ihn 1968 anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens; erstmals wurde er 1969 verliehen. Finanziert wird die Auszeichnung von der Reichsbank, nicht aus dem Vermögen der Nobelstiftung.
Auch die Nobelstiftung unterscheidet deshalb juristisch zwischen den ursprünglichen Nobelpreisen und dem später geschaffenen Wirtschaftspreis. Daraus folgt allerdings kein geringerer wissenschaftlicher Rang. Über die Preisträger entscheidet die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die ebenfalls die Nobelpreise für Physik und Chemie vergibt. Nominierung, Prüfung und Auswahl sind in einem mehrstufigen Verfahren geregelt.
Eng ist auch die zeremonielle Verbindung. Die Namen der Preisträger werden wie bei den klassischen Nobelpreisen im Oktober bekannt gegeben. Die Auszeichnung wird am 10. Dezember, Alfred Nobels Todestag, in Stockholm überreicht. Auch das Preisgeld entspricht dem der ursprünglichen Nobelpreise. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich daher die Bezeichnung Wirtschaftsnobelpreis durchgesetzt, obwohl sie die unterschiedliche Entstehungsgeschichte verkürzt.
Philippe Aghion erhielt den Preis 2025 gemeinsam mit Joel Mokyr und Peter Howitt. Die Akademie würdigte ihre Arbeiten zur innovationsgetriebenen wirtschaftlichen Entwicklung. Aghion und Howitt wurden insbesondere für ihre Theorie nachhaltigen Wachstums durch schöpferische Zerstörung ausgezeichnet: Innovationen schaffen demnach neue Produkte und Geschäftsmodelle, während bestehende Technologien und Unternehmen verdrängt werden.
Der aktuelle Wortwechsel berührt jedoch eine andere Frage. Aghion wandte sich gegen Mélenchons Vorschlag, einen Teil der französischen Staatsschulden zu streichen, soweit diese von Zentralbanken gehalten werden. Ob ein solcher Schuldenerlass rechtlich zulässig, geldpolitisch tragfähig oder wirtschaftlich sinnvoll wäre, lässt sich nicht aus dem Status von Aghions Auszeichnung ableiten. Mélenchons Einwand trifft lediglich deren Herkunft: Der Wirtschaftspreis gehört nicht zu Nobels ursprünglicher Stiftung, wird aber von derselben wissenschaftlichen Institution und nach einem vergleichbar strengen Verfahren vergeben.
Quellen
- Franceinfo: Faktencheck zum Wirtschaftspreis
- Nobelpreis: Statuten für den Preis für Wirtschaftswissenschaften
- Schwedische Reichsbank: Informationen zum Wirtschaftspreis
- Nobelpreis: Pressemitteilung zum Wirtschaftspreis 2025
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).