Paris – 03.10.2026: Die Kontroverse um antisemitische Nachrichten, die Jordan Bardella zugeschrieben werden, hat sich verschärft. Das Investigativmedium Mediapart veröffentlichte am 1. Oktober weitere Unterlagen, die eine Zuordnung der Mitteilungen aus dem Jahr 2013 zum heutigen Vorsitzenden des Rassemblement National belegen sollen. Bardella bestreitet weiterhin, die Texte verfasst zu haben.
Die erstmals am 28. September veröffentlichten Nachrichten enthalten nach Darstellung von Mediapart antisemitische und verschwörungsideologische Aussagen. Das Medium beruft sich auf private digitale Korrespondenz, Zeugenaussagen und technische Daten. Diese sollen eine zeitliche Einordnung der Mitteilungen und eine Verbindung des verwendeten Kontos mit Bardellas Namen ermöglichen. Mehrere französische und internationale Medien griffen die nachgereichten Belege auf.
Bardella bezeichnete die Dokumente als Fälschungen und die Veröffentlichung als Versuch politischer Destabilisierung im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027. Sein Anwalt reichte eine Verleumdungsklage gegen Mediapart ein. Nach Medienberichten wird zudem eine Anzeige wegen Urkundenfälschung und des Gebrauchs gefälschter Dokumente erwogen. Ob die Nachrichten echt sind und wer sie verfasst hat, ist gerichtlich bislang nicht geklärt.
Den Rassemblement National trifft die Affäre an einer empfindlichen Stelle. Marine Le Pen bemüht sich seit ihrer Übernahme der Parteiführung im Jahr 2011, die damalige Front National von den offen rassistischen und antisemitischen Äußerungen ihres Gründers und langjährigen Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen abzusetzen. Die Partei änderte 2018 ihren Namen. Bardella, seit 2022 ihr Vorsitzender, verkörpert die jüngere Generation dieses Kurses und soll ein moderneres Bild der extremen Rechten vermitteln.
Der Historiker Vincent Duclert sagte in einem am 2. Oktober ausgestrahlten Interview, die sogenannte Entdämonisierung des Rassemblement National sei durch die Enthüllungen schwer beschädigt worden. Das ist eine politische und historische Bewertung, keine Feststellung über Bardellas Urheberschaft oder strafrechtliche Verantwortung. Gleichwohl zwingt die Kontroverse die Partei, ihr Verhältnis zur eigenen Geschichte erneut zu erklären.
Hinzu kommt der Wahlkalender: Frankreich wählt 2027 ein neues Staatsoberhaupt. Marine Le Pen hat Bardella als möglichen Regierungschef im Fall eines Wahlsiegs genannt. Politiker anderer Parteien verlangen Aufklärung; Teile der konservativen Rechten reagierten zunächst zurückhaltend.
Der jüngste Bericht der Nationalen Beratenden Menschenrechtskommission hält zugleich fest, dass antisemitische Vorurteile in Teilen der französischen Gesellschaft fortbestehen. Damit berührt der Streit eine Frage, die über die Echtheit einzelner Nachrichten hinausreicht: wie belastbar der behauptete Bruch des Rassemblement National mit den ideologischen Traditionen seiner Vorgängerpartei tatsächlich ist.
Quellen
- Mediapart
- Le Monde
- Associated Press
- Nationale Beratende Menschenrechtskommission
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).