Paris – 29.09.2026: Der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Das französische Recherchemedium Mediapart veröffentlichte am 28. September private Nachrichten, die aus dem Jahr 2013 stammen und Bardella zugeordnet werden. Sie enthalten dem Bericht zufolge antisemitische und verschwörungsideologische Aussagen. Bardella bestreitet die Urheberschaft und bezeichnet die Texte als Fälschungen.
Die Nachrichten sollen aus einer Zeit stammen, in der Bardella noch ein junger Aktivist des damaligen Front National war. Mediapart schreibt ihm unter anderem stereotype Aussagen über Juden und Banken sowie Äußerungen über den damaligen Wirtschaftsminister Pierre Moscovici zu. Die Redaktion gibt an, ihre Zuordnung auf mehrere Indizien zu stützen. Eine unabhängige oder gerichtliche Feststellung zur Echtheit des Materials liegt bislang jedoch nicht vor.
Bardella reagierte öffentlich auf die Veröffentlichung. Die Aussagen stammten nicht von ihm, erklärte er; bei den vorgelegten Nachrichten handle es sich um grobe Fälschungen. Sein Anwalt kündigte nach Medienberichten rechtliche Schritte wegen Verleumdung an. Bis zur Klärung stehen sich damit die Recherche von Mediapart und Bardellas entschiedenes Dementi gegenüber. Die Anschuldigungen bleiben als Vorwürfe kenntlich zu machen.
Politisch trifft die Affäre einen empfindlichen Punkt in der Strategie des Rassemblement National. Die Partei bemüht sich seit Jahren, Abstand von der Geschichte des Front National unter Jean-Marie Le Pen zu gewinnen. Dessen wiederholte antisemitische Äußerungen und Verurteilungen hatten die Partei über Jahrzehnte geprägt. Unter Marine Le Pen und später mit Bardella an der Spitze setzte die Führung auf ein gemäßigteres öffentliches Erscheinungsbild, um neue Wählergruppen zu erreichen und sich als regierungsfähige Kraft darzustellen.
Bardella verkörpert diesen Kurs wie kaum ein anderer Funktionär. Der 1995 geborene Politiker trat jung in die Partei ein, stieg rasch auf und wurde 2022 deren Vorsitzender. Sein politisches Gewicht reicht damit weit über die Organisation des Rassemblement National hinaus. Vorwürfe über antisemitische Äußerungen aus seiner frühen Parteizeit berühren unmittelbar seine persönliche Glaubwürdigkeit und die Abgrenzung der heutigen Parteiführung vom Erbe des Front National.
Die Veröffentlichung hat zudem eine Debatte darüber ausgelöst, wie digitale Nachrichten aus der Vergangenheit politischer Amtsträger geprüft und bewertet werden können. Im konkreten Fall hängt die weitere Auseinandersetzung vor allem davon ab, ob Mediapart die behauptete Urheberschaft belastbar belegen kann und ob Bardella seine angekündigten rechtlichen Schritte einleitet. Bislang ist weder ein gerichtliches Verfahren abgeschlossen noch die Echtheit der veröffentlichten Nachrichten gerichtlich bestätigt.
Quellen
- Franceinfo
- Reuters
- Euronews
- Le Monde
- Mediapart
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).