Paris – 02.10.2026: Jordan Bardella hat nach neuen Veröffentlichungen von Mediapart eine zweite Klage gegen das Investigativmedium angekündigt. Der Präsident des Rassemblement National bestreitet, antisemitische Messenger-Nachrichten aus dem Jahr 2013 verfasst zu haben. Neben einer bereits eingereichten Verleumdungsklage will sein Anwalt nun auch wegen Fälschung und des Gebrauchs gefälschter Dokumente vorgehen.
Mediapart hatte am 28. September private Nachrichten veröffentlicht, die Bardella zugeschrieben werden und antisemitische Stereotype enthalten. Der Politiker war damals 17 Jahre alt und bereits Mitglied des damaligen Front National. Bardella bezeichnete die ihm zugeschriebenen Texte erneut als grobe Fälschungen. Der Konflikt dreht sich damit um die Urheberschaft digitaler Kommunikation aus einer frühen Phase seiner politischen Laufbahn.
Am 1. Oktober legte Mediapart weitere Angaben zur Herkunft und Überprüfung des Materials vor. Nach Darstellung des Mediums stammen die Gespräche aus Messenger-Daten, die eine frühere Kontaktperson beim Meta-Konzern angefordert habe. Ergänzend verwies die Redaktion auf Bildschirmaufnahmen, E-Mails, Dokumente aus dem Umfeld der Jugendorganisation des Front National und Aussagen früherer Weggefährten Bardellas.
Der Kern des Streits liegt in der digitalen Beweiskette. Eine von Meta bereitgestellte Datenauskunft kann nach Angaben von Mediapart Gesprächsinhalte, Zeitangaben und Kontodaten dokumentieren. Sie beantwortet für sich genommen jedoch nicht zweifelsfrei, welche Person ein Nutzerkonto zu einem bestimmten Zeitpunkt bediente. Ob das vorgelegte Material gefälscht wurde und wem die Nachrichten zuzurechnen sind, müsste gegebenenfalls die Justiz klären.
Mediapart erklärte zudem, die Unterlagen seien durch einen Gerichtsvollzieher gesichert worden. Bardella und der Rassemblement National halten die Belege dennoch für unzureichend und werfen dem Medium eine politische Kampagne vor. Eine öffentliche Bestätigung von Meta, dass Bardella persönlich die beanstandeten Nachrichten verfasst habe, liegt bislang nicht vor. Das Unternehmen äußerte sich in den herangezogenen Berichten nicht zum Einzelfall.
Die Affäre trifft Bardella in einer Phase, in der der Rassemblement National mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 seine Regierungsfähigkeit hervorheben will. Der Parteichef gehört neben Marine Le Pen zu den prägenden Figuren der politischen Strategie des RN. Der frühere Premierminister Édouard Philippe erklärte nach den jüngsten Veröffentlichungen, die antisemitischen Äußerungen seien seiner Einschätzung nach nahezu erwiesen. Dabei handelt es sich um eine politische Bewertung, nicht um einen gerichtlichen Befund.
Mit der weiteren Anzeige verfolgt Bardella zwei rechtliche Linien: Die Verleumdungsklage richtet sich gegen die Veröffentlichung und den darin erhobenen Vorwurf; die Anzeige wegen Fälschung greift die Echtheit des zugrunde liegenden Materials an. Mediapart hält an seiner Recherche fest und verweist auf die dokumentierte Herkunft seiner Unterlagen. Ob und wann die französische Justiz förmliche Ermittlungen aufnimmt, war zunächst nicht bekannt.
Quellen
- Franceinfo
- Mediapart
- TV5MONDE Informations
- Le Monde
- Le Parisien
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).