Paris – 03.10.2026: Jordan Bardella, Vorsitzender des Rassemblement National, weist den Vorwurf zurück, im Jahr 2013 antisemitische Nachrichten verfasst zu haben. Die jüngsten Veröffentlichungen des Investigativportals Mediapart haben die politische Auseinandersetzung jedoch verschärft: Debattiert wird inzwischen auch darüber, wie glaubwürdig Bardellas Dementi angesichts der vorgelegten Dokumente ist.
In einer Sendung von Franceinfo sagte der Publizist Jean-Sébastien Ferjou am Samstag, die Kontroverse betreffe mittlerweile neben dem Inhalt der mutmaßlichen Äußerungen auch die Frage eines möglichen öffentlichen Täuschungsversuchs. Ferjou diskutierte darüber mit dem Journalisten Laurent Joffrin. Ihre Einschätzungen sind Kommentare zur politischen Tragweite der Affäre, keine Feststellungen zur Echtheit oder Urheberschaft der Nachrichten.
Ausgangspunkt ist eine Recherche von Mediapart. Das Portal berichtete am 28. September erstmals über antisemitische Äußerungen, die Bardella zugeschrieben werden. Am 1. Oktober veröffentlichte es weitere Unterlagen, darunter Auszüge aus einer privaten Messenger-Unterhaltung von 2013. Bardella war damals 17 Jahre alt und bereits im Umfeld des Front National aktiv, aus dem später der Rassemblement National hervorging.
Mediapart zufolge wurden die Gespräche mithilfe von Daten des Meta-Konzerns und durch einen Gerichtsvollzieher überprüft. Nach Darstellung des Portals stützen diese Prüfungen sowohl die zeitliche Zuordnung als auch die Annahme, dass die vorgelegten Auszüge nachträglich nicht verändert wurden. Damit ist allerdings weder gerichtlich festgestellt, wer die Nachrichten verfasst hat, noch ob daraus eine strafrechtliche Verantwortung folgt.
Bardella bestreitet die Urheberschaft und bezeichnet die Dokumente als Fälschungen. Medienberichten zufolge hat er neben einer bereits eingereichten Verleumdungsklage weitere rechtliche Schritte wegen Fälschung und des Gebrauchs gefälschter Dokumente angekündigt. Der Rassemblement National spricht von einer politischen Kampagne und stellt sich hinter seinen Vorsitzenden.
Die Affäre trifft die Partei an einer empfindlichen Stelle. Seit Jahren versucht der Rassemblement National, seine gesellschaftliche Akzeptanz zu vergrößern und sich als regierungsfähige Kraft darzustellen. Bardella verkörpert diesen Kurs und den personellen Generationswechsel nach Marine Le Pen. Antisemitismusvorwürfe wiegen vor diesem Hintergrund besonders schwer, weil die Geschichte des früheren Front National die Partei weiterhin belastet.
Yonathan Arfi, Präsident des Repräsentativen Rates der jüdischen Institutionen Frankreichs, erklärte, eine Bestätigung der Bardella zugeschriebenen Äußerungen stünde in scharfem Widerspruch zum Normalisierungskurs der Partei. Politiker verschiedener Lager forderten Aufklärung, während führende Vertreter des Rassemblement National Bardella verteidigten. Eine abschließende juristische Klärung der Urheberschaft liegt bislang nicht vor.
Quellen
- Franceinfo
- Mediapart
- Le Monde
- TF1 Info
- Associated Press
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).