Paris – 02.10.2026: Der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, hat die von Mediapart veröffentlichten Unterlagen zu angeblich von ihm verfassten antisemitischen Nachrichten scharf zurückgewiesen. Auf der Plattform X sprach er von Scheinbeweisen, groben Montagen und leicht manipulierbaren Bildschirmaufnahmen. Die ihm zugeschriebenen Äußerungen habe er nie gemacht. Bardella bezeichnete die Anschuldigungen erneut als einen schweren Angriff auf seine Person.
Mediapart hatte am Donnerstag, dem 1. Oktober, seine Recherchemethoden offengelegt. Nach Angaben des Mediums wurden private Messenger-Gespräche aus dem Jahr 2013, E-Mails und Aussagen von Zeugen ausgewertet. Eine vollständige Sicherung des Gesprächsverlaufs erlaube es, den Austausch zeitlich einzuordnen und nachträgliche Veränderungen auszuschließen. Das betreffende Nutzerkonto sei in Unterlagen von Meta und Facebook unter Bardellas Namen geführt worden.
Die Kontroverse begann am 28. September, als Mediapart dem Parteivorsitzenden antisemitische und verschwörungsideologische Aussagen aus seiner Jugend zuschrieb. Bardella bestritt die Urheberschaft umgehend und kündigte rechtliche Schritte wegen Verleumdung an. Der Rassemblement National stellte sich hinter seinen Vorsitzenden. Eine gerichtliche Feststellung zur Echtheit, Urheberschaft oder möglichen strafrechtlichen Bedeutung der veröffentlichten Nachrichten liegt bislang nicht vor.
Politisch ist die Affäre für Bardella heikel. Sie berührt den Anspruch seiner Partei, sich dauerhaft von der antisemitischen Vergangenheit des früheren Front National abzugrenzen. Der Rassemblement National ging aus dieser Partei hervor, deren Gründer Jean-Marie Le Pen wiederholt wegen antisemitischer Äußerungen und der Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen in der Kritik stand. Marine Le Pen hatte nach ihrer Übernahme des Parteivorsitzes 2011 gezielt versucht, den heutigen Rassemblement National von diesem Erbe zu distanzieren.
Mediapart beruft sich zur Untermauerung seiner Recherche außerdem auf Angaben des Mutterkonzerns Meta und auf die Dokumentation durch einen Gerichtsvollzieher. Das sind zunächst Angaben des Recherchemediums, deren Beweiskraft Bardella bestreitet. Der Konflikt betrifft daher vor allem die Herkunft der Nachrichten und die Frage, ob die vorgelegten technischen und dokumentarischen Spuren eine eindeutige Zuordnung erlauben.
Die Auseinandersetzung trifft Bardella in einer Phase, in der er seine Rolle als führender Wahlkämpfer des Rassemblement National ausbaut. Ende Oktober soll er auf einem Parteitag erneut ohne Gegenkandidaten für den Vorsitz antreten. Die umstrittenen Nachrichten stammen laut Mediapart aus dem Jahr 2013, als Bardella noch minderjährig war. Ob er sie tatsächlich verfasste, ist zwischen dem Politiker und dem Recherchemedium weiterhin umstritten.
Quellen
- Franceinfo
- Mediapart
- Le Monde
- TV5MONDE
- Associated Press
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).