Paris – 11.10.2026: Raphaël Glucksmann hat die Vorwahl der sozialdemokratischen Linken für die französische Präsidentschaftswahl 2027 bereits im ersten Wahlgang gewonnen. Der Vorsitzende von Place Publique erhielt nach Angaben der Organisatoren 66 Prozent der Stimmen. Damit soll der Europaabgeordnete als gemeinsamer Kandidat seiner Partei und des Parti socialiste in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen.
Glucksmann setzte sich deutlich gegen den Ersten Sekretär der Sozialistischen Partei, Olivier Faure, und drei weitere Bewerber durch. Angetreten waren außerdem die frühere Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, der sozialistische Abgeordnete Jérôme Guedj und Emmanuel Maurel von der Gauche républicaine et socialiste. Die Abstimmung wurde elektronisch abgehalten und richtete sich an Mitglieder und registrierte Unterstützer des beteiligten politischen Lagers.
Der Wahlausgang beantwortet vorerst eine zentrale Machtfrage der gemäßigten französischen Linken. Glucksmann wirbt für ein eigenständiges sozialdemokratisches Angebot und grenzt sich deutlich von Jean-Luc Mélenchon und dessen Partei La France insoumise ab. Faure hatte stärker für eine breite Zusammenarbeit der linken Kräfte geworben. Im Wahlkampf ging es daher auch um die Frage, wie eng sich Sozialisten und Place Publique an die radikale Linke binden sollten.
Die Vorwahl war institutionell enger gefasst als frühere offene Auswahlverfahren des linken Lagers. Sie schafft eine gemeinsame Kandidatur von Parti socialiste und Place Publique, ersetzt jedoch keine Verständigung mit den übrigen Parteien links der Mitte. La France insoumise, die Kommunistische Partei und weitere linke Formationen waren an der Abstimmung nicht beteiligt. Eigene Bewerbungen aus diesem Spektrum bleiben daher möglich.
Für Faure ist die Niederlage zugleich eine innerparteiliche Schwächung. Der Vorsitzende der traditionsreichen Sozialistischen Partei unterlag einem Politiker, dessen politische Basis außerhalb ihres Apparats liegt. Glucksmann hatte bereits bei der Europawahl 2024 die gemeinsame Liste der Sozialisten und von Place Publique angeführt. Sie erreichte damals 13,8 Prozent und lag damit vor den übrigen Listen der französischen Linken.
Glucksmanns Erfolg bestätigt damit den Kurs, den beide Parteien seit der Europawahl verfolgen. Place Publique erhält die politische Führung der gemeinsamen Präsidentschaftskandidatur, während der deutlich größere Parti socialiste seine Organisationsstruktur einbringt. Dieses Kräfteverhältnis dürfte auch die Ausarbeitung des Wahlprogramms und die Verteilung von Funktionen im Wahlkampf prägen.
Die französische Präsidentschaftswahl ist für 2027 vorgesehen. Mit der Nominierung ist die Kandidatenfrage im sozialdemokratischen Lager geklärt, die Zersplitterung der gesamten Linken jedoch nicht. Glucksmann tritt nun mit dem Mandat zweier Parteien an; eine gemeinsame Kandidatur aller linken Kräfte ging aus der Vorwahl ausdrücklich nicht hervor.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Place Publique
- LCP – Assemblée nationale
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).