Paris – 28.09.2026: Der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, weist den Vorwurf zurück, in privaten Nachrichten antisemitische Äußerungen verbreitet zu haben. Das Investigativmedium Mediapart veröffentlichte am Montag eine Recherche über Mitteilungen aus den Jahren 2013 bis 2015, die Bardella zugeschrieben werden. Der Politiker bezeichnete die Dokumente als grobe Fälschungen und erklärte, seinen Anwalt mit rechtlichen Schritten gegen das Medium beauftragt zu haben.
Mediapart zufolge stützen sich die Vorwürfe auf zahlreiche private Konversationen, deren Echtheit das Medium überprüft haben will. Darin finden sich laut der Recherche antisemitische Stereotype und Verschwörungserzählungen über jüdischen Einfluss auf Banken, Politik und internationale Beziehungen. Eine Bardella zugeschriebene Nachricht behauptet, sämtliche Banken befänden sich in jüdischem Besitz. Bei den veröffentlichten Inhalten handelt es sich um Vorwürfe; gerichtlich festgestellt sind sie nicht.
Bardella erklärte auf der Plattform X, er bestreite ausdrücklich, die ihm zugeschriebenen "wahnhaften und antisemitischen" Aussagen jemals geäußert zu haben. Er stellte die Recherche als politisch motivierten Angriff dar, der seinem Ansehen und einer möglichen Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 schaden solle. Welche Klage oder welches andere Verfahren sein Anwalt anstrengen will, teilte er zunächst nicht mit. Ein formeller Gerichtsschritt war am Montag öffentlich nicht dokumentiert.
Marine Le Pen stellte sich hinter den Parteivorsitzenden. Sie erklärte, die Recherche zwar nicht gelesen zu haben, halte die Anschuldigungen aber für derart ungewöhnlich, dass sie von einer Fälschung ausgehe. Damit weist die Führung des Rassemblement National die Vorwürfe geschlossen zurück.
Die Kontroverse berührt einen empfindlichen Punkt in der Strategie der Partei. Seit Jahren versucht der Rassemblement National, sich von der Geschichte seines Vorgängers Front National und den antisemitischen Äußerungen seines Gründers Jean-Marie Le Pen abzugrenzen. Marine Le Pen betrieb diese politische Normalisierung über Jahre; Bardella verkörpert als jüngerer Parteivorsitzender den Anspruch auf weitere gesellschaftliche Akzeptanz. Entsprechend schwer wiegen Anschuldigungen, die diesem Kurs widersprechen.
Für die weitere Beurteilung sind Herkunft, Vollständigkeit und Authentifizierung der Nachrichten maßgeblich. Mediapart erklärt, die Gespräche geprüft zu haben; Bardella bestreitet ihre Echtheit kategorisch. Unabhängig überprüfbare Originaldaten der privaten Kommunikation liegen öffentlich bislang nicht vor. Auch ist offen, ob ein gerichtliches Verfahren eine technische Prüfung der Dokumente und ihres Entstehungskontexts ermöglichen würde.
Die Affäre trifft Bardella in einer politisch sensiblen Phase vor der französischen Präsidentschaftswahl 2027. Als Vorsitzender des Rassemblement National gehört er zu den prägenden Figuren der Partei. Vorerst stehen sich jedoch zwei unvereinbare Darstellungen gegenüber: die Echtheitsprüfung, auf die sich Mediapart beruft, und Bardellas Behauptung, die Dokumente seien gefälscht.
Quellen
- Franceinfo
- Mediapart
- Reuters
- Anadolu Ajansi
- n-tv
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).