Paris – 29.09.2026: Der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, weist den Vorwurf zurück, als junger Aktivist des damaligen Front National antisemitische und verschwörungsideologische Nachrichten verfasst zu haben. Anlass ist eine am 28. September veröffentlichte Recherche von Mediapart. Das französische Investigativmedium ordnet ihm private schriftliche Unterhaltungen aus den Jahren 2013 bis 2015 zu.
Nach Darstellung von Mediapart stützt sich die Recherche auf Dutzende private Nachrichten und ergänzende Aussagen. Die veröffentlichten Auszüge enthalten antisemitische Stereotype über Banken und Medien sowie Behauptungen über eine angebliche jüdische Einflussnahme auf Frankreich. Die Nachrichten sollen aus Bardellas frühen Jahren in der Partei stammen. Als einige davon verfasst worden sein sollen, war er laut der Nachrichtenagentur Agence France-Presse 17 oder 18 Jahre alt.
Bardella bestreitet die Zuschreibung kategorisch. Er bezeichnete die ihm zugerechneten Texte als grobe Fälschungen und erklärte, die Äußerungen stammten nicht von ihm. Zudem kündigte er eine Verleumdungsklage gegen Mediapart an. In einem möglichen Verfahren dürfte es vor allem um die Herkunft und Authentizität der Nachrichten sowie um die Belege des Mediums gehen. Eine gerichtliche Bewertung der Vorwürfe liegt bislang nicht vor.
Yonathan Arfi, Präsident des Dachverbands jüdischer Institutionen in Frankreich, Conseil représentatif des institutions juives de France, reagierte mit scharfer Kritik. Gegenüber Franceinfo bezeichnete er die wiedergegebenen Formulierungen als besonders gewalttätig. Dem Rassemblement National warf er Heuchelei vor; die Partei bleibe ein politischer Zufluchtsort für identitäre Strömungen. Arfi bezog sich damit auch auf den seit Jahren betriebenen Versuch der Partei, ihre historische Herkunft aus dem Front National politisch hinter sich zu lassen.
Unter Marine Le Pen und später unter Bardella hat die Partei daran gearbeitet, sich als regierungsfähige Kraft zu präsentieren. Zu dieser Strategie gehört die ausdrückliche Abgrenzung von antisemitischen Positionen, die lange mit der Geschichte des Front National verbunden waren. Vor diesem Hintergrund berührt die Recherche einen besonders empfindlichen Punkt im Selbstbild der heutigen Parteiführung.
Die Affäre trifft Bardella zudem in einer Phase, in der der Rassemblement National seinen Anspruch auf die französische Regierungsmacht festigt und sich auf die Präsidentschaftswahl 2027 ausrichtet. Der Parteivorsitzende gehört zu den bekanntesten Vertretern dieser Normalisierungsstrategie. Gerade deshalb besitzt die Kontroverse politische Tragweite, obwohl die Urheberschaft der Nachrichten umstritten ist.
Für Bardella gilt die Unschuldsvermutung. Mediaparts Darstellung ist keine gerichtliche Feststellung, und der Politiker weist sie vollständig zurück. Dokumentiert sind bislang die Veröffentlichung der Recherche, sein Dementi, die angekündigten juristischen Schritte und die öffentliche Kritik des Präsidenten des jüdischen Dachverbands.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Agence France-Presse via Boursorama
- Euronews
- Conseil représentatif des institutions juives de France
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).