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Alle Artikel · 13.08.2025 07:24

Hitzewelle, Touristenansturm, Stromalarm – Warum Korsika jetzt auf Stromdiät gehen muss

36 Grad im Schatten, volle Strände, rappelvolle Restaurants – und ein Stromnetz, das schnauft wie ein alter Fiat Panda am Bergpass. Vom 12. bis 15. August 2025 ruft der Stromerzeuger EDF Corse deshalb die...

36 Grad im Schatten, volle Strände, rappelvolle Restaurants – und ein Stromnetz, das schnauft wie ein alter Fiat Panda am Bergpass. Vom 12. bis 15. August 2025 ruft der Stromerzeuger EDF Corse deshalb die Alarmstufe Orange eCorsicaWatt aus. Zwischen 18 und 23 Uhr gilt: Stromverbrauch zügeln, sonst drohen lokale Ausfälle.

Die Lage ist ernst – und keineswegs neu.


Wenn Sommerabende zum Stresstest werden

Wer in diesen Tagen abends über die Insel fährt, erkennt es sofort: Klimaanlagen surren, Ventilatoren drehen sich in Höchstgeschwindigkeit, in Küchen läuft die Spülmaschine, und im Wohnzimmer glüht der Fernseher. Das alles gleichzeitig, während draußen die Hitze steht wie eine Wand.
Doch Korsika ist in Sachen Stromversorgung ein Inselkind im wortwörtlichen Sinne: Die Produktionskapazitäten sind begrenzt, die Verbindung zum französischen Festland ist unzureichend, und das Netz hat kaum Puffer. Jede zusätzliche Kilowattstunde zählt – und kann das Fass zum Überlaufen bringen.


Kleine Tricks mit großer Wirkung

EDF appelliert an alle, Einheimische wie Besucher:
– Waschmaschine, Spülmaschine, Backofen? Bitte erst nach 23 Uhr starten.
– Klimaanlage? 26 Grad reichen – und ein offenes Fenster in den kühleren Nachtstunden bringt oft mehr Frische als gedacht.
– Lichter aus, Stand-by-Geräte vom Netz – jedes Watt hilft.
Für alle, die es genau wissen wollen, gibt es die eCorsicaWatt-App: Sie zeigt in Echtzeit an, wie angespannt die Lage ist, und warnt, wenn Sparen besonders wichtig ist.


Warum die Insel jedes Jahr an ihre Grenzen kommt

Das Problem ist strukturell:
Ein großer Teil des Stroms stammt aus thermischen Kraftwerken – nicht gerade ein Musterbeispiel für Klimafreundlichkeit. Die Wasserkraftwerke sind auf volle Stauseen angewiesen, und das Wasser ist im Hochsommer knapp. Solarstrom? Spielt ab Sonnenuntergang keine Rolle mehr. Und Windkraft? Existiert bisher kaum.
Sobald die Temperaturen klettern und der Tourismus seinen Höhepunkt erreicht, steigt die Nachfrage schlagartig – und das Netz kommt ins Schwitzen.


Ein kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft

Wer jetzt denkt: „Ach, das sind doch nur ein paar heiße Tage“, der irrt. Die Hitzewellen in Südeuropa werden länger, heißer und häufiger. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf, weil Kühlung zur Überlebensfrage wird. Die Situation auf Korsika ist damit ein warnendes Beispiel, wie verwundbar isolierte Stromnetze in Zeiten des Klimawandels sind.


Was passieren muss – und was sofort passieren kann

Langfristig braucht die Insel mehr eigene erneuerbare Energie, bessere Speicherlösungen und klügere Netze. Politisch klingt das nach Zukunftsmusik, technisch ist vieles schon möglich.
Kurzfristig hilft nur kollektives Handeln – und ein bisschen Disziplin im Alltag. Denn wenn alle mitmachen, bleibt der Strom auch an den heißesten Abenden stabil.

Autor: C.H.

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