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Alle Artikel · 25.01.2026 09:29

Zwei Millionen neue Wohnungen – Lecornus Mammutprojekt gegen die Wohnungsnot

Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu hat bei seinem ersten großen Auftritt nach der Vertrauensabstimmung ein ambitioniertes Ziel formuliert: Bis 2030 sollen zwei Millionen neue Wohnungen entstehen – 400.000 pro Jahr. In Rosny-sous-Bois, einem Vorort...

Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu hat bei seinem ersten großen Auftritt nach der Vertrauensabstimmung ein ambitioniertes Ziel formuliert: Bis 2030 sollen zwei Millionen neue Wohnungen entstehen – 400.000 pro Jahr. In Rosny-sous-Bois, einem Vorort im Osten von Paris, präsentierte er das Vorhaben als zentrale Antwort auf eine Wohnungsbaukrise, die sich in den letzten Jahren verschärft hat. Die Ankündigung markiert einen Strategiewechsel: Weg von punktuellen Eingriffen, hin zu einem umfassenden wohnungspolitischen Programm mit fiskalischer, administrativer und sozialpolitischer Flankierung.

Ein Sektor in der Krise

Der französische Wohnungsmarkt befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Die Zahl der Neubauten ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Allein im dritten Quartal 2025 wurden über 20 Prozent weniger neue Wohnungen zur Vermarktung angeboten als im Vorjahreszeitraum. Ein Fünftel der geplanten Bauprojekte wurde ganz zurückgezogen. Die Ursachen sind vielfältig: steigende Baukosten, eine restriktive Kreditvergabe, langwierige Genehmigungsverfahren und eine insgesamt schwache Investitionsdynamik. Die Folge: In vielen Regionen Frankreichs steigen die Mieten, während gleichzeitig der soziale Wohnungsbau stagniert. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum bleibt hoch – besonders in urbanen Zentren.

Lecornus Dreiklang: Bauen, Fördern, Vereinfachen

Der Plan der Regierung basiert auf drei Säulen: dem quantitativen Ausbau der Bautätigkeit, einer gezielten Förderung insbesondere für den sozialen Wohnungsbau und der Deregulierung planungsrechtlicher Hürden.

Erstens soll die jährliche Neubauzahl deutlich steigen. Frankreich lag zuletzt weit unter dem nun anvisierten Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Um dies zu erreichen, soll Bauland mobilisiert, kommunale Planung beschleunigt und bestehender Leerstand stärker aktiviert werden – etwa durch die Umwandlung nicht genutzter Büroflächen in Wohnraum.

Zweitens plant die Regierung eine substantielle finanzielle Unterstützung für den sozialen Wohnungsbau. Bisher unterfinanzierte Wohnungsbaugesellschaften sollen mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet werden, um mehr Projekte umsetzen zu können. Bereits im Haushalt 2026 sind entsprechende Zuschüsse vorgesehen.

Drittens kündigte Lecornu eine umfassende Verwaltungsreform an. Bauvorhaben sollen schneller genehmigt, Umweltauflagen entbürokratisiert und Verfahren digitalisiert werden. Damit reagiert die Regierung auf eine der zentralen Beschwerden der Bauwirtschaft: die übermäßige Komplexität und Dauer von Genehmigungsverfahren.

Fiskalische Anreize für private Vermieter

Ein zentrales Element des neuen Kurses ist die Reaktivierung privater Investitionen. Hier setzt die Regierung auf steuerliche Anreize: Ein neues Förderinstrument soll Eigentümer motivieren, Wohnungen zu vermieten, indem steuerliche Vorteile auf Mieteinnahmen sowie auf Sanierungskosten gewährt werden – unter der Bedingung, dass bestimmte Mietobergrenzen eingehalten werden. Dieses Modell erinnert in seiner Logik an frühere französische Förderprogramme wie das „Pinel“-Modell, geht aber durch die Integration ökologischer Standards einen Schritt weiter.

Parallel dazu soll das Programm „MaPrimeRénov’“ zur energetischen Sanierung bestehen bleiben – ein wichtiges Signal für Eigentümer, die sich den steigenden Anforderungen an Energieeffizienz gegenübersehen.

Die politische Dimension des Bauziels

Mit dem Vorstoß positioniert sich Lecornu auch innenpolitisch. Nach der Übernahme des Premierministeramts im Januar 2026 und einer ersten Phase haushaltspolitischer Konsolidierung sucht er nun sichtbar nach eigenen politischen Akzenten. Die Wohnungsfrage bietet sich dabei als sozialpolitisches Schlüsselthema an – zumal die Problematik breite Bevölkerungsschichten betrifft und weit über prekäre Milieus hinausreicht.

Nicht zuletzt stellt das Bauziel eine Art Belastungstest für die Regierungsfähigkeit in einer fragmentierten politischen Landschaft dar. Lecornu selbst sprach davon, dass die Umsetzung „kollektiv beobachtet“ werde – eine indirekte Einladung an Verbände, Kommunen und Bauträger, sich in das Vorhaben einzubringen.

Ob das Ziel von zwei Millionen Wohnungen bis 2030 realistisch ist, hängt nicht zuletzt von der Konjunktur, der Zinsentwicklung und der konkreten Umsetzung auf lokaler Ebene ab. Ohne eine enge Kooperation mit den Kommunen und eine tatsächliche Entbürokratisierung dürften viele Ankündigungen folgenlos bleiben.

Autor: P. Tiko

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