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Alle Artikel · 21.07.2025 06:50

Zwischen Himmel, Wasser und Gemüse: Entdeckungsreise durch den Marais Audomarois

Willkommen im Marais Audomarois – einer Landschaft, die wie ein Gedicht zwischen Wasseradern und Gemüsegärten liegt. In den Hauts-de-France, rund um die historische Stadt Saint-Omer, wartet ein verstecktes Naturparadies mit über 3.700 Hektar auf...

Willkommen im Marais Audomarois – einer Landschaft, die wie ein Gedicht zwischen Wasseradern und Gemüsegärten liegt. In den Hauts-de-France, rund um die historische Stadt Saint-Omer, wartet ein verstecktes Naturparadies mit über 3.700 Hektar auf alle, die lieber durch Schilf gleiten als durch Großstadtdschungel hetzen.

Aber Moment mal – was macht dieses Marschland so besonders? Und warum lohnt es sich, dort die Wanderschuhe zu schnüren oder in ein flaches Boot zu steigen? Die Antworten liegen irgendwo zwischen einer jahrhundertealten Kulturlandschaft, fliegenden Libellen und knackigen Karotten.


Eine Landschaft wie aus einem alten Märchen

Schon beim ersten Blick auf die Karte erkennt man: Der Marais Audomarois ist kein gewöhnliches Feuchtgebiet. Das Netz aus Kanälen, Wiesen und Gärten rund um Saint-Omer ist das Ergebnis eines gewaltigen menschlichen Abenteuers, das im 7. Jahrhundert begann. Damals begannen Mönche, das sumpfige Land zu zähmen – mit Schaufel, Schweiß und einem ausgeklügelten Kanalsystem.

Diese „Watergangs“, wie sie liebevoll genannt werden, durchziehen die Landschaft wie Adern und verwandelten das einst wilde Terrain in fruchtbare Felder. Bis heute fahren Gemüsebauern mit ihren traditionellen flachen Booten – Bacôves genannt – durch dieses Labyrinth aus Wasser und Erde.


Mitten ins Herz der Natur

Ein UNESCO-Biosphärenreservat, ein Ramsar-Gebiet und eine Schatztruhe der Artenvielfalt – das ist der Marais Audomarois heute. Wer dort spaziert oder paddelt, begegnet nicht nur Seerosen und Schilf, sondern auch echten Natur-Raritäten.

Da fliegt ein Blongios nain, ein seltener Zwergreiher, durchs Gebüsch. Dort steht ein grauer Reiher wie aus Stein gemeißelt am Ufer. Und zwischen all dem surren und flirren Libellen in schillernden Farben – ein lebendiger Regenbogen auf sechs Flügeln.

Besonders sehenswert: Die „Réserve naturelle nationale des étangs du Romelaëre“. Dieses Schutzgebiet ist selbst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich und zeigt, wie Inklusion und Naturschutz Hand in Hand gehen. Einfach mal durchatmen und dem Froschkonzert lauschen – wann hast du das zuletzt gemacht?


Lebendige Kultur zwischen Kohl und Karotten

Wer glaubt, ein Marschland hätte kulturell nicht viel zu bieten, war noch nie im Marais Audomarois. Seit über 1.300 Jahren gestalten die Menschen hier ihre Umwelt, bauen Brücken zwischen Mensch und Natur – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Besonders spannend ist der Gemüseanbau. Auf den fruchtbaren Schwemmböden wachsen noch heute regionale Sorten wie die Karotte aus Tilques oder zarte Endivien. Einige Höfe kann man besuchen – hier erzählen die Bauern ihre Geschichten mit Händen und Füßen, oft über Generationen hinweg weitergegeben.

Wusstest du, dass es eine Zeit gab, in der das Gemüse aus dem Marais bis nach Paris transportiert wurde? Damals ging's über Kanäle, Flüsse und Märkte. Heute landet es auf charmanten Wochenmärkten oder direkt in den kleinen Restaurants von Saint-Omer.


So erlebst du den Marais hautnah

Die „Maison du Marais“ in Saint-Martin-lez-Tatinghem ist der perfekte Startpunkt für dein Abenteuer. Hier erfährst du alles über die Geschichte, die Traditionen und die Menschen des Marais. Und dann geht’s ab ins Wasser – mit einem Bacôve durch die Kanäle. Leise plätschert das Wasser, das Boot gleitet vorbei an alten Bootshäusern und Gemüsebeeten, die wie schwimmende Gärten wirken.

Aber auch zu Fuß oder mit dem Rad lässt sich der Marais entdecken. Gut ausgeschilderte Wanderwege führen durch das Herz des Feuchtgebiets. Wer Glück hat, begegnet einem Bauern auf seinem traditionellen Transportboot – und kann vielleicht sogar eine frisch geerntete Karotte mitnehmen. Na, wäre das nicht mal ein Mitbringsel mit Geschichte?

Ein echtes Highlight ist der „Cortège nautique du Haut-Pont“. Diese Wasserprozession in Saint-Omer ist ein Fest der Sinne: bunt geschmückte Boote, Musik, Geschichten und jede Menge guter Laune. Hier trifft ländliche Tradition auf französische Lebensfreude – und das alles auf dem Wasser!


Saint-Omer: Das Tor zum Marais

Ein Besuch des Marais wäre unvollständig ohne einen Abstecher nach Saint-Omer. Die charmante Kleinstadt ist wie ein gut gehütetes Geheimnis. Ihre Kathedrale Notre-Dame – ein Meisterwerk der Gotik – erhebt sich majestätisch über die Altstadt. Kleine Gassen, hübsche Plätze und Cafés laden zum Verweilen ein.

Von hier aus erreichst du den Marais in wenigen Minuten. Ein idealer Ausgangspunkt für alle, die Natur und Kultur verbinden möchten – ohne dabei auf Komfort zu verzichten.


Tipps für deinen Besuch

Bring Gummistiefel mit – im Ernst! Auch im Sommer kann es im Marschland feucht zugehen. Wer paddelt, sollte sich nicht scheuen, auch mal selbst zur Ruderstange zu greifen. Und: Respektiere die Natur. Bleib auf den Wegen, meide laute Musik und nimm deinen Müll mit. Klingt selbstverständlich? Ist es leider nicht immer.

Was du auf keinen Fall verpassen solltest? Ein Picknick am Ufer eines kleinen Kanals, begleitet von Entengeschnatter und Libellenflug. Manchmal sind es die einfachen Dinge, die am meisten in Erinnerung bleiben.


Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Der Marais Audomarois ist mehr als ein schönes Ausflugsziel. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Mensch und Natur zusammenwirken können – ohne sich im Weg zu stehen. Ein Ort, der inspiriert, entschleunigt und manchmal sogar zum Nachdenken anregt.

Also, worauf wartest du? Vielleicht steht dort dein neues Lieblingsabenteuer schon in den Startlöchern – samt Bacôve und Picknickkorb.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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