Tag & Nacht


Wer hätte gedacht, dass ein scheinbar gewöhnlicher Sommertag wie der 3. August so viele Fäden der Weltgeschichte miteinander verknüpft? Entdeckungen, Kriegsbeginn, Unabhängigkeit – die Liste der Ereignisse, die an diesem Datum passierten, liest sich wie ein globales Geschichtsbuch. Besonders Frankreich stand an gleich mehreren 3. Augusten im Zentrum des Geschehens.


Kolumbus verlässt Europa

Am 3. August 1492 verließ Christoph Kolumbus den spanischen Hafen Palos mit drei Schiffen – der Niña, der Pinta und der Santa María. Ziel: ein direkter Seeweg nach Indien. Was dann folgte, war bekanntlich etwas völlig anderes. Kolumbus landete Monate später in der Karibik – und leitete damit nicht nur eine neue Ära des globalen Handels ein, sondern auch ein düsteres Kapitel der Kolonialisierung. Die Folgen für indigene Völker in der Neuen Welt waren verheerend. Gleichzeitig war es der Anfang eines weltweiten Austauschs von Gütern, Kulturen und – leider auch Krankheiten.

Ironischerweise dauerte es lange, bis Kolumbus selbst erkannte, dass er einen neuen Kontinent betreten hatte. Seine Reise vom 3. August gilt heute dennoch als eine der folgenreichsten Unternehmungen der Menschheitsgeschichte.


Der 3. August 1914 – Frankreich im Krieg

Frankreich stand am 3. August 1914 vor einer historischen Zäsur: Deutschland erklärte dem Land den Krieg. Der Erste Weltkrieg war damit auch für Frankreich Realität. Die Mobilmachung erfolgte mit beeindruckender Geschwindigkeit – in den Straßen von Paris sah man endlose Kolonnen von Männern in Uniform, Familien, die sich tränenreich verabschiedeten, und Zeitungen, die in Sonderschichten neue Schlagzeilen produzierten.



Besonders eindrücklich bleibt die Geschichte der sogenannten „Taxis von Marne“: Pariser Taxifahrer brachten freiwillig Soldaten an die Front – ein Symbol für patriotische Einheit in einer chaotischen Zeit. Der Krieg sollte allerdings vier Jahre dauern, Millionen Menschenleben fordern und Frankreich schwer erschüttern. Noch heute ist der 3. August in der französischen Erinnerung eng mit dem Schrecken des Kriegsausbruchs verbunden.


Ein schwarzes Wunder in Berlin

Ein ganz anderer 3. August: 1936, Olympische Spiele in Berlin. Jesse Owens, ein afroamerikanischer Leichtathlet, lief der Welt davon – im wortwörtlichen Sinne. An diesem Tag gewann er Gold über 100 Meter. Der Triumph war sportlich beeindruckend, politisch jedoch brisant. Hitler hatte die Spiele inszeniert, um die vermeintliche Überlegenheit der „arischen Rasse“ zu zeigen – und Owens? Der demütigte diese Ideologie auf der Bahn mit purem Talent und Eleganz.

Man stelle sich die Szene vor: Ein Stadion voller Menschen, gespannte Gesichter, ein startender Sprint – und Owens rast durch, der Schnellste von allen. Ein Moment für die Ewigkeit, der bis heute als Paradebeispiel dafür gilt, wie Sport politische Botschaften durchkreuzen kann.


Frankreichs koloniale Spuren – Niger erklärt sich unabhängig

Am 3. August 1960 erklärte Niger seine Unabhängigkeit von Frankreich. Damit wurde das westafrikanische Land Teil der großen Dekolonisationswelle, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg über Afrika ausbreitete. Frankreich hatte über Jahrzehnte hinweg Kontrolle über das Gebiet ausgeübt, wirtschaftlich ausgebeutet und kulturell überformt. Mit dem 3. August setzte Niger ein klares Signal: Jetzt bestimmen wir selbst.

Seitdem ist dieses Datum in Niger nicht nur Nationalfeiertag, sondern auch „Arbor Day“ – ein Tag zum Bäume pflanzen. Symbolischer geht’s kaum: Die Zukunft wurzelt im eigenen Boden. Die Aufforstung ist gleichzeitig ein stiller Protest gegen die fortschreitende Wüstenbildung – ein weiteres Erbe der kolonialen Misswirtschaft.


Die Schatten der Moderne

Auch jüngere Ereignisse am 3. August werfen lange Schatten. 1981 traten in den USA zehntausende Fluglotsen in den Streik. Die Regierung reagierte hart – und feuerte fast alle. Das war mehr als nur ein arbeitsrechtlicher Konflikt, es war ein Wendepunkt in der Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Ein deutliches Zeichen: Wer sich mit der politischen Führung anlegt, verliert schnell den Boden unter den Füßen.

Und dann war da noch der 3. August 2019: In einem Walmart in El Paso, Texas, verübte ein Attentäter einen rassistisch motivierten Massenmord. Ein Tag, der zeigt, wie gefährlich extremistisches Gedankengut werden kann – auch Jahrzehnte nach der Niederlage faschistischer Regime.


Frankreich: Geschichte am Fließband

Frankreich selbst hat am 3. August noch mehr erlebt. Etwa im Jahr 1692, als französische Truppen in der Schlacht bei Steenkerke ein englisch-niederländisches Heer besiegten – ein Triumph im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekriegs. Auch während des Dreißigjährigen Kriegs mischte Frankreich an diesem Tag mit, bei der Schlacht von Nördlingen.

Das Muster? Der 3. August zieht sich durch Frankreichs militärische Geschichte wie ein roter Faden. Mal als Aggressor, mal als Verteidiger, mal als Kolonialmacht, mal als Kolonialverlierer.


Und heute?

Fast vergessen inmitten dieser historischen Wucht: Der 3. August ist in vielen Ländern mittlerweile der „Friendship Day“. Klingt trivial? Vielleicht. Aber gerade nach einem Rückblick auf Kriege, Attentate und Kolonialismus wirkt ein Tag der Freundschaft wie ein wohltuender Kontrapunkt.

Warum nicht den Tag mit einem simplen „Danke, dass du da bist“ begehen – statt mit Säbelrasseln und Gedenkminuten?


Eine letzte Frage

Was zeigt uns der 3. August, außer, dass er vollgepackt ist mit Geschichte? Vielleicht dies: Kein Datum ist wirklich neutral. Jeder Tag kann zum Wendepunkt werden – im Großen wie im Kleinen.

Und wer weiß – vielleicht schreibst du heute ein ganz persönliches Stück Geschichte. Nur eben ohne Krieg, Kolonialherrschaft oder politische Intrige. Wäre doch mal was.

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