Tag & Nacht


US-Universitäten sind ein leichtes Ziel für rechtspopulistische Kritik. Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner sie als zu liberal, zu teuer und zu elitär empfinden – und das nicht völlig ohne Grund. Doch der Konflikt zwischen der Trump-Regierung und der Harvard University geht über bloße Symbolpolitik hinaus: Er ist zum Testfall für den Versuch geworden, der akademischen Welt eine politische Agenda aufzuzwingen – quer durch die 2.600 Hochschulen der Vereinigten Staaten. Studierende, Lehrende und Forschende geraten gleichermaßen unter Druck. Das gefährdet die globale Spitzenstellung der amerikanischen Wissenschaft, die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde.

Was bedeutet das für den Rest der Welt?

Europäische Staaten buhlen inzwischen offensiv um in den USA tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie bieten ihnen eine Art „wissenschaftliches Asyl“ – oder, wie ein französischer Minister es formulierte, „ein Licht in der Dunkelheit“.
Auch Kanada konnte bereits mehrere renommierte US-Akademiker gewinnen, darunter drei festangestellte Yale-Professoren mit Forschungsschwerpunkten auf Autoritarismus und Faschismus.
Das Australian Strategic Policy Institute bezeichnete die momentane Lage als „eine Jahrhundertchance für den intellektuellen Zugewinn“ – außerhalb der USA.

Wer hat das Erfolgsrezept?



Im mittleren 20. Jahrhundert galt Amerika vielen als wohlwollende Großmacht – verpflichtet der wissenschaftlichen Freiheit und der Demokratie. Es zog die klügsten Köpfe an, die vor Faschismus und autoritären Regimen aus Europa flohen.

Heute könnte ausgerechnet China zum größten Profiteur der amerikanischen Selbstzerstörung werden. Chinesische Universitäten bemühen sich seit Jahren um internationale Spitzenforscher – nun liefert ihnen Washington indirekt Schützenhilfe. Ein Anzeichen für die Wirksamkeit dieser Strategie bietet Afrika. Immer mehr Afrikaner lernen Mandarin, und mittlerweile studieren fast doppelt so viele in China wie in den Vereinigten Staaten.

Ein Blick zurück – und nach vorn

Kann Amerika seine wissenschaftliche Vormachtstellung aus ideologischen Gründen tatsächlich verspielen? Ein solches Szenario ist nicht ohne historisches Vorbild: In den 1930er-Jahren verlor das nationalsozialistische Deutschland seine wissenschaftliche Führungsrolle innerhalb weniger Jahre an die USA.
Als Deutsche*r denkt man vielleicht allzu schnell an diese Zeit zurück – doch der Vergleich ist in diesem Fall tatsächlich instruktiv. Mehrere prominente US-Journalisten, die sich mit den Folgen des harten Vorgehens der Trump-Regierung gegen internationale Studierende und Forschende befassen, ziehen Parallelen zu Hitlers systematischer Ausschaltung von Wissenschaft und Intellektuellen.

Bislang kann keine andere Region das Erfolgsrezept der USA – bestehend aus finanziellen Ressourcen, geistiger Freiheit, Risikobereitschaft und Einwanderungsoffenheit – vollständig replizieren. Sollte Amerika als wissenschaftliche Supermacht stürzen und entscheidende Durchbrüche ausbleiben, wäre das ein Rückschlag für die gesamte Welt.


Schattenseite der grünen Energiewende

Am 9. Juli berichteten wir an dieser Stelle über seltene Erden – und darüber, wie es möglich wäre, sie sauberer, ethischer und ohne chinesische Dominanz zu fördern. Doch das hat seinen Preis.
Berichtet wurde jetzt ein Abbau von seltenen Erden an der thailändisch-myanmarischen Grenze, welcher die Schattenseiten des gegenwärtigen Rohstoffbooms besonders deutlich macht. Die seltenen Erden, die dort abgebaut werden – unter anderem für E-Autos, Windkraftanlagen und Atomkraftwerke – stammen aus einem meist rechtsfreien Raum, in dem chinesische Unternehmen nach Herzenslust agieren.

Der Erlös aus dem Rohstoffhandel finanziert lokale Milizen im Bürgerkrieg Myanmars. Zugleich verschmutzt der Abbau Wasserquellen und zerstört Lebensgrundlagen. Die seltenen Erden aus Myanmar sind billig, weil es dort keine Regulierung gibt. Doch der soziale und ökologische Preis für die Menschen vor Ort ist hoch.


Weitere wichtige Nachrichten

Gaza: Bei einem israelischen Luftangriff nahe eines Wasserverteilungspunktes in Zentral-Gaza wurden mindestens zehn Menschen, darunter viele Kinder, getötet. Das israelische Militär sprach von einem „technischen Fehler“.

Handel: Donald Trump kündigte an, ab dem 1. August Zölle in Höhe von 30 Prozent auf EU-Waren zu erheben. Angesichts wachsender Handelskonflikte suchen die EU und andere Partner nach neuen globalen Handelsstrukturen.

Asien: Länder mit wirtschaftlicher Ausrichtung auf den US-Markt stehen unter Druck. Sie suchen nach alternativen Handelspartnern – bislang mit begrenztem Erfolg.

Flugzeugabsturz in Indien: Eine erste Untersuchung ergab, dass nach dem Start bei beiden Triebwerken der Treibstoff abgestellt wurde – ohne erkennbare Erklärung.

Texas: Zwei Tage nach den verheerenden Überschwemmungen wurden laut internen Dokumenten knapp zwei Drittel der Anrufe bei der Katastrophenhilfe-Hotline der FEMA nicht entgegengenommen.

Wetter: Tropensturm Nari zieht derzeit über den Nordpazifik vor der japanischen Küste.

Neukaledonien: Eine neue Vereinbarung mit Frankreich sichert der pazifischen Inselgruppe mehr Autonomie, bleibt jedoch hinter einer vollständigen Unabhängigkeit zurück.

Autor: P. Tiko

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