Tag & Nacht


Ein Datum wie jedes andere – möchte man meinen. Doch der 26. Januar ist prall gefüllt mit Wendepunkten, Premieren, Protesten und kuriosen Geschichten. Manche Ereignisse dieses Tages hallen bis heute nach – andere sind fast in Vergessenheit geraten. Höchste Zeit also, ihn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.


Ein König mit doppeltem Anspruch

1340, tief im mittelalterlichen Machtpoker Europas, erhebt Eduard III. von England einen gewagten Anspruch: Er erklärt sich selbst zum König von Frankreich. Der Grund? Seine Mutter war eine französische Prinzessin, und damit – so seine Rechnung – habe er Anspruch auf den französischen Thron. Die Franzosen sahen das naturgemäß etwas anders. Der Konflikt mündete in den Hundertjährigen Krieg, der über ein Jahrhundert Europa beschäftigte.

Schon damals war klar: Thronstreitigkeiten sind keine privaten Familienangelegenheiten, sondern explosiver Stoff für ganze Kontinente.


Vom roten Sand zur grünen Insel – Australien erwacht

Am anderen Ende der Welt, rund 450 Jahre später: Am 26. Januar 1788 setzt die sogenannte „First Fleet“ unter Kapitän Arthur Phillip in der Bucht des heutigen Sydney die britische Flagge. Die Gründung der Sträflingskolonie markierte den Beginn der europäischen Besiedlung Australiens.



Heute feiern viele Australier an diesem Datum den „Australia Day“ – allerdings nicht alle. Für viele Aborigines ist es ein Tag der Trauer, des Verlusts und der kolonialen Unterdrückung.

Ein Nationalfeiertag, der spaltet – und genau das macht ihn zum Spiegelbild der Geschichte selbst: nie eindeutig, immer ambivalent.


Frankreichs Flügelkämpfe und ein Bruch mit der Monarchie

In Frankreich ist der 26. Januar mehrfach ein Datum der politischen Bewegung. 1794, während der Französischen Revolution, wird die Guillotine in Paris beinahe zur Alltagserscheinung. An diesem Tag werden Gegner der Jakobiner hingerichtet – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Der revolutionäre Furor kennt keine Gnade, weder für Monarchisten noch für zögerliche Republikaner.

Fast 150 Jahre später, 1947, schreibt Frankreich Kolonialgeschichte. In Indochina tobt längst ein blutiger Krieg, doch am 26. Januar wird dem vietnamesischen Kaiser Bảo Đại vom französischen Präsidenten eine gewisse Autonomie zugestanden – ein halbherziger Schritt, der die Unabhängigkeitsbewegung nicht mehr aufhalten kann.

Heute? Gehört Vietnam längst zu den aufstrebenden Wirtschaftsnationen Asiens – und Frankreichs Rolle dort ist nur noch ein Kapitel in den Schulbüchern.


Technik, Träume und ein bisschen Fernsehzauber

Wer hätte gedacht, dass das Fernsehen an einem kalten Januartag seine erste große Bühne betritt? 1926 führt der Schotte John Logie Baird der staunenden Öffentlichkeit die erste funktionierende Fernsehübertragung vor.

Ein bescheidener Apparat, flackerndes Bild, aber ein gigantischer Durchbruch. Ohne ihn gäbe es keine Netflix-Serien, keine Live-Übertragungen von Fußball-WMs und keinen 24-Stunden-News-Wahnsinn.

Verrückt, wie ein kleines Gerät eine ganze Welt in Bewegung setzt – oder?


Der größte Diamant der Welt

1905 taucht in Südafrika ein Klunker auf, der die Welt staunen lässt: Der Cullinan-Diamant – über 3.100 Karat schwer. Er wird später in kleinere Stücke geschliffen, einige davon zieren heute noch die britischen Kronjuwelen.

Ein glänzendes Symbol für den Kolonialismus, der seine Spuren bis heute sichtbar hinterlassen hat – besonders im globalen Süden.


Indien ruft die Republik aus

Für viele Inder ist der 26. Januar ein Feiertag mit enormer Bedeutung: 1950 tritt an diesem Tag die Verfassung in Kraft – Indien wird zur Republik. Der koloniale Schatten Großbritanniens weicht einem neuen Selbstbewusstsein.

Bis heute wird der Tag mit großen Paraden gefeiert, und das Land präsentiert sich der Welt als bunte, starke Demokratie.

Natürlich nicht ohne Widersprüche – von Pressefreiheit bis Religionspolitik ist auch dort nicht alles Gold, was glänzt. Doch der Tag markiert einen Moment des Aufbruchs.


Und was macht Frankreich heute, am 26. Januar?

Springen wir ins Jahr 2026. Frankreich beschäftigt sich am heutigen Tag mit einem Streit rund um Rentenreformen. Gewerkschaften mobilisieren, Zehntausende gehen auf die Straße.

Ein Déjà-vu? Durchaus. Rentenreformen und Streiks – das ist beinahe ein nationales Ritual in der Fünften Republik. Doch es zeigt auch: Frankreichs Bürger lassen sich nicht alles gefallen.

Wer heute durch Paris läuft, hört Pfiffe, Megafone – und das Echo der Revolution.


Kurioses zum Schluss

1958 wird Ellen DeGeneres geboren, amerikanische Talkshow-Ikone. Und in den 1970er-Jahren bringt ein junger Nicolas Sarkozy an einem 26. Januar seiner Schulklasse Croissants mit – angeblich, weil er Klassensprecher geworden war. Ob das stimmt? Nun ja, in Frankreich ist alles möglich.

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