Tag & Nacht


Der 27. Januar ist ein Datum, das in der Weltgeschichte Spuren hinterlassen hat – tiefe, schmerzliche, aber auch hoffnungsvolle. Ein Tag, der nicht nur mahnt, sondern auch zum Nachdenken einlädt. Was geschah an diesem Tag – und warum berührt er uns bis heute?

Der Tag, an dem Auschwitz befreit wurde

Kaum ein anderes Ereignis prägt das kollektive Gedächtnis dieses Datums so sehr wie die Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945. Soldaten der Roten Armee stießen in das Konzentrationslager vor und befreiten die letzten etwa 7.000 Überlebenden – viele davon dem Tode näher als dem Leben.

Dieses Lager war nicht nur ein Ort des Mordens, sondern Symbol einer entmenschlichten Ideologie. Über 1,1 Millionen Menschen – überwiegend Jüdinnen und Juden – wurden in Auschwitz ermordet. Seit 2005 wird der 27. Januar weltweit als „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ begangen.

In Deutschland trägt dieser Tag zusätzlich das Gewicht des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus – ein Moment der kollektiven Selbstbefragung. Und in Frankreich? Auch dort wird seit Jahren am 27. Januar der Opfer gedacht, etwa in Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Besonders in einem Land, das selbst von Deportationen jüdischer Bürgerinnen und Bürger betroffen war, ist dieser Tag eine Brücke zwischen Vergangenheit und Verantwortung.



1967: Die Tragödie von Apollo 1

Am selben Tag, gut zwei Jahrzehnte später, kam es in den USA zu einem Rückschlag in der Raumfahrt. Während eines Tests für die erste bemannte Apollo-Mission kam es zu einem verheerenden Brand in der Raumkapsel. Die drei Astronauten starben binnen Sekunden – bei lebendigem Leib.

Dieses Unglück führte zu umfangreichen Reformen in der NASA. Sicherheitsvorschriften wurden überarbeitet, Materialien ausgetauscht, Prozesse neu gedacht. Ein Wendepunkt – geboren aus Schmerz, aber getragen von der Entschlossenheit, aus Fehlern zu lernen.

Frankreich am 27. Januar

Frankreich hat an diesem Tag ebenfalls markante Ereignisse erlebt oder durch Persönlichkeiten geprägt, die am 27. Januar das Licht der Welt erblickten – oder aus ihr schieden.

So wurde Brigitte Macron, die heutige Première Dame Frankreichs, am 27. Januar 1953 geboren. Was einst durch ihren Altersunterschied zu Emmanuel Macron für Aufsehen sorgte, ist heute kaum noch Thema. Sie ist nicht nur eine Stil-Ikone, sondern auch eine politisch interessierte Figur, die regelmäßig Bildungsreformen unterstützt und soziale Themen aufgreift.

Auch der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart, ein Gigant der europäischen Kulturgeschichte, wurde an diesem Tag 1756 geboren. In Frankreich wird sein Werk bis heute gefeiert – in Opernhäusern, Konservatorien und in der schulischen Musikbildung. Das Erbe europäischer Hochkultur lebt, auch wenn TikTok & Co. heute oft das Tempo angeben.

Leningrad – das andere Ende der Hölle

Am 27. Januar 1944 – genau ein Jahr vor Auschwitz – endete die 872 Tage andauernde Belagerung von Leningrad durch deutsche Truppen. Was die Menschen dort durchmachten, grenzt an das Unvorstellbare: Hunger, Kälte, Tod. Über eine Million Zivilisten starben.

Für Frankreich war die Ostfront geografisch weit entfernt, doch politisch sehr präsent – die Schrecken der deutschen Besatzung in Frankreich und die Repressalien der Gestapo lassen sich in ihrer Grausamkeit durchaus mit den Methoden der SS an der Ostfront vergleichen. Frankreichs Erinnerungskultur bezieht diese Parallelen oft mit ein.

Der Weg der Erinnerung

Heute nutzen viele Länder den 27. Januar als Gedenktag. Doch Gedenken allein reicht nicht. Es braucht auch eine ständige Auseinandersetzung mit dem Jetzt. Antisemitische Vorfälle nehmen wieder zu – auch in Frankreich, auch in Deutschland.

Die Debatte um Meinungsfreiheit, Identitätspolitik und historische Verantwortung ist im vollen Gange. Und man könnte meinen: Gerade in Zeiten der Informationsüberflutung bleibt das Erinnern auf der Strecke.

Aber ist das wirklich so?

Gerade junge Menschen zeigen zunehmend Interesse an Zeitgeschichte. Gedenkstättenbesuche, Podcasts, Dokus auf Streamingplattformen – Geschichte kommt dort an, wo sie emotional berührt und verständlich erzählt wird.

Ein Tag – viele Gesichter

Ein Gedenktag ist kein Feiertag. Er ist ein Halt. Ein Moment, der uns zwingt, aus dem Alltag auszubrechen und kurz innezuhalten. Geschichte lebt nicht nur in Büchern oder Museen – sie atmet durch uns. Jeder, der sich erinnert, gibt ihr eine Stimme.

Der 27. Januar ist dafür ein Symbol: für das, was Menschen einander antun können – aber auch dafür, wie aus Tragödie Veränderung entstehen kann.

Ein bisschen Pathos darf da sein, oder?

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