Ein Freitagabend, wie ihn Paris nicht gebrauchen kann.
Gegen 18 Uhr erreichten die Behörden mehrere E-Mails, in denen von möglichen Sprengsätzen in bekannten Pariser Einrichtungen die Rede war. Binnen Minuten verwandelte sich die übliche Geschäftigkeit der Hauptstadt in angespannte Betriebsamkeit. Die Tour Montparnasse und das Institut d’études politiques de Paris – besser bekannt als Sciences Po – wurden geräumt.
In der 210 Meter hohen Tour Montparnasse, sonst ein Ort mit weitem Blick über die Dächer der Stadt, mussten Besucher und Angestellte das Gebäude zügig verlassen. Auf den Gängen herrschte eine Mischung aus Disziplin und Nervosität. Wer einmal eine Evakuierung miterlebt hat, kennt dieses eigentümliche Schweigen, das sich über Menschenmengen legt – keiner weiß Genaueres, aber alle spüren: Hier stimmt etwas nicht.
Auch an Sciences Po liefen die Sicherheitsprotokolle an. Studierende, die noch in Seminarräumen saßen oder in der Bibliothek arbeiteten, wurden ins Freie geleitet. Nach eingehender Überprüfung konnte dort jedoch Entwarnung gegeben werden. Der Zugang wurde später wieder freigegeben.
Die beiden Einrichtungen blieben nicht die einzigen genannten Ziele. In den Drohschreiben tauchten weitere prominente Orte auf, darunter der Eiffelturm und die Konzerthalle Bataclan. Nicht überall kam es zu vollständigen Räumungen, doch die Sicherheitsbehörden reagierten mit erhöhter Wachsamkeit.
Spezialisierte Einheiten durchsuchten die betroffenen Gebäude, sperrten Areale ab und prüften jeden Hinweis sorgfältig. Am Ende des Abends stand fest: Es wurde kein Sprengsatz gefunden, Verletzte gab es nicht.
Und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Solche Vorfälle treffen eine Metropole wie Paris ins Mark. Die Stadt lebt von ihrer Offenheit, von ihren öffentlichen Räumen, von dem Gefühl, dass Kultur, Bildung und Alltag ineinanderfließen. Wenn Wahrzeichen und Hochschulen unter Bombenverdacht stehen, gerät dieses Selbstverständnis ins Wanken.
Die Ermittler prüfen nun, ob es sich um sogenanntes „Swatting“ handelt – also gezielte Falschmeldungen, die massive Polizeieinsätze provozieren sollen – oder um den Versuch, koordiniert Unruhe zu stiften. Technische Analysen der E-Mails sollen Aufschluss über Herkunft und Motivation geben.
Paris trägt die Erinnerung an frühere Anschläge tief im kollektiven Gedächtnis. Seit den Attentaten von 2015 begleitet eine erhöhte Wachsamkeit den Alltag. Jede Drohung, selbst wenn sie sich als haltlos erweist, reißt diese Wunde ein Stück weit wieder auf.
Am Ende dieses Abends kehrte die Stadt in ihren Rhythmus zurück. Cafés füllten sich, die Lichter spiegelten sich in der Seine, Taxis hupten wie eh und je. Aber man merkte schon: Die Anspannung hing noch in der Luft.
Die Behörden rufen zur Besonnenheit auf und verweisen auf laufende Ermittlungen. Ein Bekennerschreiben zu den Drohungen liegt bislang nicht vor. Paris macht weiter – doch der Puls bleibt erhöht.
Autor: Andreas M. B. Brucker
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