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Alle Artikel · 10.07.2024 10:34

Bardella an der Spitze von "Patriotes pour l'Europe": Überraschender Schachzug mit doppeltem Boden?

Jordan Bardella, Vorsitzender des französischen Rassemblement National (RN), wird zukünftig die Leitung der neuen rechten Gruppierung "Patriotes pour l'Europe" im Europäischen Parlament übernehmen. Diese Entscheidung sorgt für Stirnrunzeln und Spekulationen über seine politischen Ambitionen....

Jordan Bardella, Vorsitzender des französischen Rassemblement National (RN), wird zukünftig die Leitung der neuen rechten Gruppierung "Patriotes pour l'Europe" im Europäischen Parlament übernehmen. Diese Entscheidung sorgt für Stirnrunzeln und Spekulationen über seine politischen Ambitionen. Soziologe und Politologe Erwann Lecoeur analysierte diesen Schritt am Dienstag auf dem Sender Franceinfo und beleuchtete die Hintergründe und möglichen Konsequenzen.

Ein doppelter Fahrplan?

Laut Lecoeur sei Bardellas Ernennung überraschend und wecke den Verdacht eines doppelten politischen Fahrplans. "Man fragt sich, ob er entweder Premierminister in Frankreich oder Vorsitzender der Gruppe in Brüssel werden wollte", so Lecoeur. Diese Einschätzung stützt sich auf Bardellas bisherigen politischen Kurs und seine Ambitionen innerhalb Frankreichs.

Die neue Allianz

Am Montag schloss sich das Rassemblement National dem neuen radikalen rechten Bündnis um den ungarischen Premierminister Viktor Orbán an. Dieses Bündnis formt nun die drittgrößte Kraft im Europäischen Parlament, vor den politischen Gruppierungen um Giorgia Meloni und Emmanuel Macron. Jean-Paul Garraud, ein Europaabgeordneter des RN, kündigte Bardellas Ernennung während einer Sitzung in Brüssel an.

Politische Strategien und ihre Folgen

Erwann Lecoeur bietet eine Analyse dieser Entwicklungen und betont die strategischen Elemente im Hintergrund. Bardellas Aussichten, Premierminister in Frankreich zu werden, seien momentan gering. Daher habe es Verhandlungen mit Orbáns Gruppe gegeben, die seit Jahren versucht, in die größeren europäischen Strukturen zu gelangen. Orbán, dessen Land derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, könnte als Eintrittskarte für einige rechtsextreme Gruppen in Richtung neuer respektablerer Wahrnehmung dienen.

Zwei Gesichter des Rassemblement National

"Ja, der RN hat tatsächlich zwei Gesichter", bestätigt Lecoeur. Bislang wurde dies wenig thematisiert, aber die jüngste Annäherung an Orbán, der als pro-russisch gilt, lässt diesen Zwiespalt deutlich werden. Für viele Franzosen sind die Entwicklungen auf europäischer Ebene oft weniger relevant, was Lecoeur als dramatisch und fehlerhaft bezeichnet. Bardellas Führungsrolle in der neuen Gruppe bringt die Frage auf, ob er parallel dazu auch nationale Ambitionen hegt.

Die Konkurrenzsituation

Die neue Gruppierung steht in Konkurrenz zu Giorgia Melonis Partei in Italien. Marine Le Pen hatte einst versucht, eine ähnliche große Gruppe zu formen, scheiterte jedoch. Orbán versucht nun, diese Lücke zu füllen, was jedoch bisher nicht gelungen ist. Zwischen konservativen Kräften wie Meloni und radikalen Positionen wie denen von Orbán gibt es weiterhin große Unterschiede. Orbán und seine Anhänger, darunter nun auch der RN, verfolgen eine stark anti-europäische und pro-Putin-Linie, was auch auf die zukünftige Ausrichtung des RN in Frankreich Einfluss haben könnte.

Ein Blick in die Zukunft

Bardellas neue Rolle könnte also weitreichende Folgen haben – nicht nur für seine eigene Karriere, sondern auch für die strategische Ausrichtung des Rassemblement National und die Dynamiken im Europäischen Parlament. Die Entwicklungen bleiben spannend: Wird Bardella diese neue Position nutzen können, um seine politischen Ambitionen auf nationaler und europäischer Ebene weiter voranzutreiben? Oder wird der Schritt zur Spaltung innerhalb der rechten Kräfte beitragen? In jedem Fall stehen interessante Zeiten bevor – sowohl in Frankreich als auch in Brüssel.

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